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Protestversammlung von Ärzten - Die Medizinuniversitaet Wien (MUW) hat mit Anfang Juni an Kliniken und Klinischen Instituten des AKH einen kompletten Aufnahmestopp für Aerzte verhängt der so lange gilt bis 137 Arztstellen eingespart sind.

Foto: APA/ ROLAND SCHLAGER

Der "Pflegeskandal" und der unbemerkte Tod eines Patienten in Lainz haben Folgen: Es wird umstrukturiert und es werden neue Chefs gesucht. Im Wiener AKH steht unterdessen eine neue Sparwelle bevor: Die Zahl der Ärzte an den Uni-Kliniken wird reduziert.

Wien - Spätestens im Herbst sollen im Geriatriezentrum "Am Wienerwald" (GZW) und im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) neue Chefs und Chefinnen bestellt sein.

Ein Skandal nach dem anderen

Zum einen ist das die Konsequenz aus dem "Pflegeskandal", der voriges Jahr mit dem Bekanntwerden eines Prüfberichts über Zustände im GZW seinen Ausgang nahm. Seither kommt das Heim nicht zur Ruhe. Immer wieder werden angebliche Fälle von mangelhaft versorgten Patienten bekannt, Anfang dieser Woche wurde ein seit Monaten abgängiger Patient tot auf einem Dachboden gefunden.

Reformen

Bürgermeister Michael Häupl (SP) hat kürzlich angekündigt, dass er Reformen in den finanzmaroden Geriatriezentren mit jenen umsetzen wolle, "die das können" und dazu bereit seien. Mit einer internen Umorganisation im KAV bietet sich nun Gelegenheit zur Personalrochade. Es wird neben den drei bestehenden Teilunternehmungen (Krankenanstalten, AKH und Serviceeinrichtungen) eine vierte geben. In dieser wird die Verantwortung für die städtischen Geriatriezentren zusammengefasst und eine neue Leitung bestellt.

Posten ausgeschrieben

Für alle vier Bereiche werden Direktorenposten ausgeschrieben. Zur Disposition stehen damit auch die bisherigen Direktoren Eugen Hauke und Ludwig Kaspar, die im Zuge des "Pflegeskandals" heftige Kritik einstecken mussten. Dem Vernehmen nach geht Hauke in Pension, Kaspar werde sich wieder bewerben.

Ebenfalls neu bestellt wird die Leitung des GZW. Der bisherigen ärztlichen Leiterin Angelika Rosenberger-Spitzy wird ebenfalls vorgeworfen, die Strukturen nicht im Griff zu haben. Abgeschafft werden soll die kollegiale Führung (Leitungsteam in Spitälern), Häupl hält sie für ineffizient.

Auf die Neuen warten schwierige Aufgaben. Die Rücklagen im KAV sind bald aufgebraucht, die Stadt muss Geld zuschießen, neue Einnahmequellen sind schwer zu lukrieren. Dazu gilt es Hierarchien und Bürokratie abzubauen und das Betriebsklima zu verbessern.

AKH: Weniger Ärzte

Im AKH wird unterdessen seitens der Medizinuniversität beim Personal gespart, um in medizinische Geräte investiert zu können. Dies geht aus einem Brief hervor, den Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinuniversität, an die Klinikleiter des AKHs richtete.

Aufnahmestopp für Ärzte

Es wurde ein Aufnahmestopp für Ärzte verhängt. Dieser gilt so lange, bis 137 Dienstposten eingespart sind. Verbunden ist damit, dass weniger Nachtdienste besetzt werden können. Jenen 36 Ärzten, die über befristete Dienstverträge bis Juni 2005 verfügen, wurde mitgeteilt, dass diese nicht verlängert werden. Verhandelt wird auch über die Lösung von Dienstverhältnissen mit älteren Mitarbeitern, um die Personalkosten zu senken.

Neun Mio. € verspricht sich Schütz von der Maßnahme. Für ihn geht es auch darum, die nach seinen Angaben ins Stocken geratenen Verhandlungen mit der Stadt Wien zu "stimulieren". Er will Routinetherapien in andere Spitäler auslagern und das AKH der Spitzenmedizin widmen. (aw, DER STANDARD Printausgabe 5/6.6.2004)