Mystic - Das Wrack des gesunkenen Luxusschiffes "Titanic" verfällt schneller als erwartet. Das berichtet Robert Ballard, der Entdecker der "Titanic", am Samstag auf der Webpage seines "Instituts für (Meeres-)Erforschung" am Aquarium von Mystic (US-Bundesstaat Connecticut). Unklar ist, ob der Zustand des Wracks auf normalen Verfall zurückzuführen ist oder ob sich Bergungsfirmen illegal bereichert haben.

Ballard war vor 19 Jahren in internationalem Gewässer auf dem Meeresboden, rund 4.000 Meter unter der Wasseroberfläche auf die Überreste der "Titanic" gestoßen. Das Kreuzschiff war am 15. April 1912 auf seiner Jungfernfahrt nach New York an einen Eisberg gestoßen und zerbrochen. 1.500 Passagiere und Besatzungsmitglieder ertranken in den eisigen Fluten.

Jetzt kehrte der Tiefseeforscher erstmals wieder zur "Titanic" zurück und fand, dass einige Masten und Teile der Reling abgebrochen waren. Das Deck ist an verschiedenen Stellen eingebrochen und gibt den Blick auf darunter liegende Räume frei, berichtet Ballard. Seine vor Ort gemachten Aufnahmen sind auf der Webpage des Institutes abzurufen. Etliche besonders bedeutungsvolle Gegenstände wie die Schiffglocke und eine verzierte Lampe auf dem Hauptmast fehlen inzwischen.

Auch die Zahl der persönlichen Gegenstände von Passagieren, Möbel und Geschirr der "Titanic", die Ballard bei seiner Entdeckung des Wracks 1985 noch vorgefunden hatte, ist inzwischen deutlich verringert. Einige Bergungsunternehmen hatten die Erlaubnis bekommen, bestimmte Dinge unter Aufsicht entfernen zu können. Andere haben sich nach Meinung von Ballard möglicherweise unerlaubt bedient.

Der Forscher vergleicht den Zustand der "Titanic" mit dem anderer archäologischer Fundstätten wie den ägyptischen Pyramiden, die ebenfalls Jahre lang geplündert worden waren. Nach seiner Meinung verdienen die "Titanic" und andere wichtige Schiffswracks ähnlich strikte, durch Abkommen abgesicherte Maßnahmen wie etwa die Pyramiden, um der Nachwelt erhalten zu bleiben. (APA/dpa)