WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat sich gegen den Vorwurf einer "kulturellen Ausdünnung" der Rundfunk- und Fernsehprogramme in Deutschland zur Wehr gesetzt. Auf der Frühjahrsmitgliederversammlung der Berliner Akademie der Künste sagte Pleitgen am Freitagabend, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ARD sei "der größte Kulturvermittler in Deutschland, vielleicht sogar in Europa" und der größte Musikproduzent der Welt mit 25 Klangkörpern. Auch viele Festivals würde es ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr geben.

Auf veränderte Hör- und Sehgewohnheiten reagieren

Allerdings müssten die Sender auch auf veränderte Hör- und Sehgewohnheiten reagieren. Deutschland sei der am härtesten umkämpfte Rundfunkmarkt. Pleitgen reagierte damit auf Vorwürfe aus Künstlerkreisen, wie sie auch von Akademiemitgliedern zu hören sind, wonach die Reformen von Rundfunkprogrammen zum Vorwand für eine Trivialisierung der Programme genommen werde. Damit werde der Bildungs- und Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vernachlässigt.

Der stellvertretende Arte-Programmdirektor Hans Robert Eisenhauer räumte in der Diskussion ein, dass Kultur in den Sendern oft nach einer "Kosten-Nutzen-Rechnung" behandelt werde. Es habe noch nie so viel Kultur im Fernsehen gegeben wie heute, doch sei der Drang zum Leichten und Seichten unverkennbar und wohl nicht mehr aufzuhalten. (APA/dpa)