Unzufriedene Konsumenten suchen immer öfter Rat und Hilfe bei Konsumentenschutz-Organisationen. Vor Gericht zieht der Einzelne weniger häufig als früher. Viele schlucken ihren Ärger auch einfach hinunter. Die Enttäuschung der heimischen Konsumenten nimmt aber generell zu, zu diesem Ergebnis kommen die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer (AK) im dritten Teil einer seit 1982 laufenden Befragung. AK-Konsumentenschützer Karl Kollmann fordert deshalb, dass bereits in der Schule eine verpflichtende Verbraucherbildung stattfinden soll.

Bedrohlicher Einfluss

Denn besonders alarmierend für die Konsumentenschützer ist der zunehmend als bedrohlich bewertete Einfluss von Reklame und Werbung auf Kinder und Jugendliche.

Die AK regt eine "kritische und umfassende" Verbraucherbildung an. Dabei sei nicht nur an die Einführung eines längst überfälligen Schulgegenstandes Verbraucherbildung zu denken, sondern auch an eine kritische Hintergrundinformation für den bereits erwachsenen Verbraucher, damit dieser nicht nur "passiv" und "reaktiv" agiert, sondern sich wieder als "König Kunde" fühlen kann.

Desillusionierte Kunden

Die Konsumenten sind desillusionierter geworden, sie sind enttäuschter als noch vor über 20 Jahren, so die AK. Dass der Kunde König ist, dieses Gefühl hätten viele Konsumenten nicht mehr. 38 Prozent der von der AK Befragten sagen, dass dies früher mehr der Fall gewesen sei. Immer mehr Konsumenten verspüren einen Druck, Dinge kaufen zu müssen, um nicht aus der Reihe zu fallen.

Zur Werbung wird nach wie vor kräftig negativ Stellung bezogen. Diese wird von den Befragten als "aufdringlich, geschmacklos, lästig, Betrug, Irreführung, dumm, uninformativ und unnütz" bezeichnet. Die höhere Akzeptanz der verschiedenen Werbeformen verstehen die AK-Experten als Gewöhnungseffekt. Viele Verbraucher sehen den Einfluss der Werbung auf die Kinder in zunehmendem Maß als bedrohlich an: Heute meinen 91 Prozent, dass dieser Einfluss hoch ist, 1982 waren es 81 Prozent.

Anlaufstellen immer gefragter

Anlaufstellen für die Probleme der Konsumenten werden immer gefragter. Jeder zweite Befragte hole heute bei Problemen Rat und Hilfe bei einer Konsumentenberatungsstelle, so die AK. Allerdings würden 17 Prozent überhaupt nichts unternehmen, sondern ihren Ärger hinunterschlucken. Heute ziehen auch deutlich weniger Konsumenten vor den Kadi: versuchten 1982 noch 63 Prozent ihre Ansprüche vor Gericht durchzubringen, sind das jetzt nur mehr 53 Prozent. Als Grund geben die Befragten jetzt an, dass Gerichtsverfahren zu umständlich sind und die Unternehmen mehr Erfahrung und einen längeren Atem haben. (APA)