Paris - Die unabhängige Pariser "Monde" schreibt am Sonntag zur blutigen Messerattacke auf einen Juden bei Paris:

"Noch immer! Schon wieder! Juden als Opfer von Beleidigungen, Angriffen, Hass! In Europa. In Frankreich. Man muss das Gefühl der Angst und Revolte teilen, das die jüdische Gemeinschaft Frankreichs angesichts dieses Vorfalls erfasst hat. (...) Nach 1945 war der Antisemitismus, wenn er auch nicht verschwunden ist, schändlich geworden und beschränkte sich auf nostalgische Minderheiten der extremen Rechten. Heute gibt es ausgehend vom Nahost-Konflikt in der maghrebinischen Gemeinschaft und manchmal darüber hinaus eine Erneuerung. Wie auch immer die einen oder anderen über diesen Konflikt denken mögen, ihn nach Frankreich zu verlagern ist schlimmer als ein Verbrechen: Es ist ein Fehler. Antisemitismus und Rassismus wenden sich gegen Frankreich, seine republikanische Identität und seine Geschichte, in der sich alle Kulturen und jede Herkunft vermengen."

Mit den Worten "Allahu akhbar" (Gott ist groß) hatte ein junger Moslem am Freitag bei Paris einen jüdischen Schüler niedergestochen. Der Fall löste nach mehreren ähnlichen Vorfällen in Frankreich Furcht vor einer neuen Welle antisemitischer Gewalt aus. Der 17-jährige Jude wurde nach Angaben der Polizei nahe einer jüdischen Privatschule im Pariser Vorort Epinay-sur-Seine von einem jungen Mann nordafrikanischer Abstammung in die Brust gestochen. Das Opfer sei an seiner Kippa als Jude klar zu erkennen gewesen. Bei der Einlieferung ins Spital war sein Zustand ernst, er ist mittlerweile außer Lebensgefahr. (APA/dpa)