Ein paar Besucher waren entsetzt. Schließlich ist man es nicht gewohnt, sich bei Vernissagen eine Staubschicht auf Schuhe und Designerkleidchen zu holen. Über Schutthalden wandert kunstsinniges Volk eben nur höchst selten.

Doch just in ein seit Jahren leer stehendes (zwischenzeitlich sogar als Bauschuttdeponie genutztes) Haus in der Storchengasse im 15. Wiener Gemeindebezirk bat die Künstlerin Renate Huber Freitagabend: Das nach außen hin propere, innen aber reichlich desolate Gebäude wählte Huber, um dort mit 15 anderen Künstlern Assoziationen und Arbeiten zum Themenkreis "zuhaus" (das ist auch der Ausstellungstitel; kunst-zuhaus.at) in den staubigen Boden oder an die feuchten und schimmligen Wände zu setzen.

Die Ergebnisse - das Spektrum reicht von einem Kresse-Hakenkreuz, das aus dem fruchtbaren, "gutbürgerlichen" Boden wächst, über (häusliche) Gewalt gegen Frauen bis zum Blick auf verkitschte familiäre Schein-Idyllen - sind bis zum 20. Juni zu sehen. Dann wird aus der Bruchbude eine Baustelle: Das Haus wird revitalisiert - und auch eine Tafel am Eingang wird sollte danach wieder deutlich lesbar sein: Die Storchengasse 21 war früher ein jüdisches Bethaus. 1938, im Zuge des Novemberpogroms, war es zerstört und in den Jahren danach fast vergessen worden. Der Staub, erklärte Bezirksvorsteher Walter Braun bei der Eröffnung deshalb, sei historisch - ihn ein bisserl aufzuwirbeln manchmal notwendig.

(DER STANDARD Printausgabe 07.06.2004)