Frankfurt - Die Aktien der deutschen Postbank werden in einer Spanne von 31,50 bis 36,50 Euro zur Zeichnung angeboten. Damit wird die Deutsche Post für 50 Prozent minus einer Aktie ihrer Banktochter gut 2,99 Milliarden Euro erlösen und könnte nahezu den von Post-Chef Klaus Zumwinkel angepeilten Börsenwert erreichen.

Wie die Post am Sonntagnachmittag zudem mitteilte, können die Papiere der Postbank vom 7. bis 18. Juni gezeichnet werden, die Erstnotiz für Deutschlands größte Filialbank ist am 21. Juni geplant.

Alles über 30 Euro "sehr großer Erfolg"

Die Preisspanne liegt deutlich über den Erwartungen von Experten, die im Vorfeld des Börsengangs jeden Preis über 30 Euro je Aktie als sehr großen Erfolg für die Post bezeichnet hatten.

In den vergangenen 14 Tagen haben sich die Investoren offensichtlich überzeugen lassen, dass die Postbank eine attraktive Anlage mit Perspektive ist. "Die Rückmeldungen überzeugen uns, dass die nun gefundene Preisspanne die richtige ist", erklärte Zumwinkel mit Blick auf die Resonanz der Investoren.

"Wahnsinn"

Selbst Banker aus Reihen der 19 Konsortialbanken zeigten sich in ersten Reaktionen überrascht von der hohen Angebotsspanne. "Das ist ja Wahnsinn. Die Spanne ist klar über den Erwartungen. Das zeigt, dass die Befürchtungen der Investoren im Vorfeld unbegründet waren. Das ist ein gutes Zeichen für den deutschen IPO Markt. Ich gehe davon aus, dass die Platzierung problemlos laufen wird", sagte ein Banker.

Die Deutsche Post will 82 Millionen minus eine Aktie der Postbank an die Börse bringen. Im Angebot enthalten ist eine Mehrzuteilungsoption in Höhe von knapp 8,2 Millionen Aktien. Der endgültige Ausgabepreis wird voraussichtlich am 20. Juni bekannt gegeben.

Marktbelebung erhofft

Nach bisher drei abgesagten Börsengängen in diesem Jahr hoffen Investoren, dass mit dem Postbank-IPO - dem größten in Deutschland seit mehr als vier Jahren - der Markt für Neuemissionen endlich wieder anspringt.

Zuletzt waren allerdings Zweifel an dem Börsengang aufgekommen, weil große Fondsgesellschaften und die Post sehr unterschiedliche Vorstellungen über den Wert der Postbank haben. In einem internen Memorandum hatte außerdem der Konsortialführer Deutsche Bank den Börsenwert jüngst nur auf 4,4 bis 5,3 Milliarden Euro geschätzt. Der Deutschen Bank wurde vor wenigen Wochen noch Interesse an einer vollständigen Übernahme der Postbank nachgesagt.

Nettogewinn im 1. Quartal gesteigert

Im ersten Quartal 2004 steigerte die Postbank ihren Nettogewinn trotz eines niedrigeren Zinsüberschusses auf 92 (60) Millionen Euro. Vor Steuern blieb ein Gewinn von 143 (101) Millionen Euro. Die Kosten scheinen weiter im Griff zu sein, denn der Verwaltungsaufwand betrug mit 437 (475) Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

2003 hatte die Postbank ihren Nettogewinn auf 352 (2002: 132) Millionen Euro gesteigert. Die Postbank teilte mit, auch im laufenden Jahr einen Konzernüberschuss über dem des Vorjahres sowie einen sinkenden Zinsüberschuss zu erwarten. "Die Postbank geht derzeit davon aus, dass die bilanzbezogenen Erträge gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil bleiben. Dabei wird aufgrund des weiterhin niedrigen Zinsniveaus der Zinsüberschuss voraussichtlich erheblich unter dem Vorjahr liegen." Der Rückgang sollte aber durch das Handels- und Finanzanlageergebnis ganz oder teilweise ausgeglichen werden können. (APA/Reuters)