Zu einer unerwarteten Einigung sind am Wochenende Russlands Präsident Wladimir Putin und dessen tadschikischer Amtskollege Emomali Rachmonow gekommen: Demnach werden russische Soldaten auch weiterhin die brisante Grenze zwischen Tadschikistan und dessen südlichem Nachbarn Afghanistan sichern. Außerdem gab Rachmonow bei dem Treffen am Freitagabend im Schwarzmeerort Sotschi nach jahrelangem Tauziehen grünes Licht dafür, dass Russland seine in der zentralasiatischen Republik stationierte 201. Panzerschützendivision in eine vollwertige Militärbasis umwandelt.

Dass Russlands Grenzsoldaten entgegen wochenlangen Gerüchten doch nicht von Tadschikistans Südgrenze abziehen, hat nicht nur für die beiden Länder selbst, sondern auch für Europa Bedeutung. Führt doch eine der Hauptrouten des anwachsenden Drogenverkehrs aus dem weltweit größten Opiumproduzenten Afghanistan nach Europa über Tadschikistan.

Die jüngste Blitzvisite des UN-Beauftragten für Drogenkontrolle, Mario Coste, in Duschanbe unterstrich, dass der Kleinstaat allein auch nicht annähernd mit dem Problem fertig werden kann. Geschweige denn imstande wäre, etwaige weitere Grenzübertrittsversuche radikaler Islamisten aus der Umgebung der afghanischen Taliban oder der Al-Kaida abzuwehren.

Geopolitischer Zickzackkurs

Bedeutend ist die Einigung aber auch in anderer Hinsicht. Seit vielen Jahren hatte Tadschikistan, das weitaus ärmste Land der nach dem Zerfall der Sowjetunion gegründeten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), Vorteile in einem geopolitischen Zickzackkurs gesucht. Wenn auch aus der Fixierung einer US-Militärbasis nach dem 11. September 2001 im Unterschied zu den Nachbarn Kirgistan und Usbekistan nichts wurde, liebäugelte Rachmonow doch weiter mit US-Finanzhilfe.

Die jetzige Hinwendung zu Russland ist einerseits bedingt durch offene Tuchfühlung der USA mit Rachmonows Opposition. Andererseits drohte Russland mit Einführung der Visapflicht für Tadschiken; und das trifft nicht nur die weit gehend nach Russland orientierten Unternehmer, sondern so gut wie jeden tadschikischen Haushalt: Von den sechs Millionen Einwohnern arbeiten bis zu eine Million als - billigste und großteils illegale - Gastarbeiter in Russland. (DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2004)