Istanbul - Die Türkei erlebt am Montag eine besondere Premiere. Erstmals in der 80-jährigen Geschichte der Republik wird das Staatsfernsehen TRT in kurdischer Sprache senden. Neben den beiden kurdischen Hauptsprachen Zaza und Kermanschi wird TRT außerdem auf Tscherkessisch, Lasisch und in bosnischer Sprache sowohl Nachrichten als auch ein Kulturprogramm ausstrahlen. Damit sollen dann alle kulturellen Minderheiten des Landes berücksichtigt werden. Wir wollen zeigen, betonte TRT, "welchen kulturellen Reichtum unser Land zu bieten hat". Sendungen in kurdischer Sprache gibt es zunächst allerdings nur an vier Stunden pro Woche.Jedenfalls wird nun auch der Weg für private kurdische Kanäle auf lokaler Basis frei. Bisher hatte das in Belgien produzierte und über Satellit ausgestrahlte, der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahe stehende Medya-TV praktisch ein Monopol auf Sendungen in kurdischer Sprache. Wenn auch offiziell verboten, flimmerte es doch fast in jeder Wohnung in Diyarbakir und anderen Städten im Südosten über den Bildschirm. Ein erwünschter Nebeneffekt, auf den Reformbefürworter immer wieder hinweisen, wird deshalb sein, dass die Nachfolgeorganisation der PKK bei der kurdischen Bevölkerung weiter an Einfluss verliert. (DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2004)