"Wir versuchen, das Immunsystem so umzuprogrammieren, dass es ein fremdes Organ wie eigenes Gewebe akzeptiert, anstatt es zu zerstören", sagt Thomas Wekerle, Immunologe am Wiener AKH. Das hätte den Vorteil, dass die Körperabwehr nicht geschwächt werden muss. "Die ist ja schließlich dazu da, den Körper zu schützen."

Die Idee: Gemeinsam mit dem Organ wird auch Knochenmark transplantiert. In diesem Gewebe ist nämlich jene Information gespeichert, die dem Immunsystem den Unterschied zwischen eigenem Gewebe und gefährlichen Eindringlingen vermittelt. Durch die Übertragung dieser Information soll das Immunsystem des Organempfängers dazu gebracht werden, das neue Gewebe nicht mehr als Feind zu bekämpfen, sondern als Freund zu akzeptieren.

An Mäusen wurde eine solche Vermischung von Immun-information zweier Lebewesen schon erfolgreich getestet. Doch beim Menschen ist diese doppelte Transplantation derzeit nur selten zulässig. "Die Übertragung von Knochenmark ist extrem belastend und sogar gefährlich für den Patienten", so Wekerle.

Um Abstoßungsreaktionen zu verhindern, muss der Patient zuvor bestrahlt oder mit schweren Medikamenten vorbereitet werden. Trotzdem kann sich das transplantierte Knochenmark in einzelnen Fällen sogar rabiat gegen seine neue Umgebung, den Patienten, richten.

Solche Risiken werden nur dann in Kauf genommen, wenn kein anderer Ausweg mehr besteht. Etwa in jenen seltenen Fällen, in denen ein Patient zuerst wegen einer Krebserkrankung eine Knochenmarkspende erhalten hat, später auch noch eine neue Niere braucht, und die ebenfalls vom Knochenmarkspender bekommt. "Diese Patienten kommen ganz ohne Immununterdrückung aus", so Wekerle.

In Tierversuchen sucht er jetzt nach Methoden, diese doppelte Transplantation schonender für den Patienten durchzuführen. "Dabei kommen uns die Fortschritte aus der Hämatologie zugute, wo seit langem intensiv an Verbesserungen der Knochenmarkstransplantation gearbeitet wird", so der Mediziner.

Und ihm kommt zugute: Seine Arbeiten sind so Erfolg versprechend, dass sie von der unabhängigen Roche-Stiftung unterstützt werden. (strau/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 6. 2004)