Riad - Einen Tag nach der Erschießung eines irischen BBC-Kameramanns in Riad haben die saudiarabischen Behörden nach den Schützen gefahndet. Aus Kreisen der Sicherheitskräfte hieß es am Montag, die Täter hätten auf die beiden Journalisten geschossen, als diese in dem Stadtteil Suweidi filmten und seien dann geflohen. Suweidi gilt als Hochburg gewaltbereiter islamistischer Extremisten. Laut BBC-Angaben vom Montag recherchierten die Journalisten nach dem Angriff und der Geiselnahme in Al Khobar mit 22 Toten zum Thema Terrorismus in Saudiarabien.

Bei dem Toten handle es sich um den 36-jährigen Simon Cumbers, teilte die BBC mit. Beim Anschlag am Sonntag - der vierte Angriff auf Bürger eines westlichen Landes innerhalb von fünf Wochen in dem Königreich - sei außerdem der 42-jährige britische Korrespondent Frank Gardner schwer verletzt worden. Nach einer größeren Operation in der Nacht habe sich Gardners Zustand mittlerweile stabilisiert. Gardner liege im Koma, sein Zustand sei "sehr kritisch", sagte ein Arzt. Die Blutungen seien aber gestoppt worden und in den vergangen sechs Stunden habe sich "sein Zustand verbessert".

Renommierter Terrorismus- und Nahost-Experte

Gardner ist ein renommierter Terrorismus- und Nahost-Experte der BBC. Der fließend Arabisch sprechende Journalist gilt als ausgewiesener Kenner des El-Kaida-Netzerks von Osama bin Laden. Sein getöteter Kollege Cumbers arbeitete als freier Kameramann unter anderem für die BBC und die Fernsehnachrichtenagentur APTN. Mehrere Kugeln hatten den 42-Jährigen Gardner in den Bauch und die Beine getroffen. In seinem Blut auf der Straße liegend habe Gardner auf Arabisch gerufen: "Ich bin ein Moslem, helft mir, ich bin ein Moslem, helft mir", berichtete ein Polizist.

Richard Sambrook, Nachrichtenchef bei der BBC, sagte, die zwei Journalisten hätten Aufnahmen des Hauses eines im vergangenen Jahr getöteten El-Kaida-Mitgliedes gemacht. Der großbritannische Botschafter, Sherard Cowper-Coles, erklärte, die Reporter wurden von einem Mitarbeiter des saudiarabischen Informationsministeriums begleitet. Die Journalisten seien von ihrem Begleiter getrennt worden, bevor sie beschossen wurden, hieß es in Sicherheitskreisen. Der Ministeriumsmitarbeiter werde nun von den Behörden befragt.

Britischer Außenminister Straw verurteilt Anschlag

Der britische Außenminister Jack Straw verurteilte den Anschlag und kündigte an, dass sein Land weiterhin alles unternehmen werde, um die saudiarabischen Behörden im Kampf gegen die Extremisten zu unterstützen. Cowper-Coles sagte: "Es gibt eine ernsthafte und chronische terroristische Bedrohung, und die Menschen - insbesondere Westler, besonders Briten und Amerikaner - müssen mit extremer Vorsicht umgehen und auf ihre persönliche Sicherheit achten."

Diplomat: "Es war eine leichte Aufgabe für die Militanten"

Saudiarabien hat am Montag das Terror-Netzwerk El Kaida für den Angriff auf ein BBC-Team in Riad verantwortlich gemacht, bei dem ein Kameramann getötet wurde. "Es ist dieselbe fanatische Gruppe. Sie stehen in Verbindung mit der El Kaida", sagte der Sprecher des saudiarabischen Botschafters in London im Hinblick auf das Attentat auf die BBC-Mitarbeiter am Sonntag und die jüngsten Anschläge in Khobar und Yanbu.

Aus Kreisen der Sicherheitskräfte hieß es, die Täter hätten auf die beiden Journalisten geschossen, als diese im Stadtteil Suweidi filmten, und seien geflohen. Das Viertel in der saudiarabischen Hauptstadt gilt als Hochburg gewaltbereiter Moslem-Extremisten.

Der Botschaftssprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die beiden Journalisten hätten sich lange Zeit in einer gefährlichen Gegend aufgehalten. "Es war eine leichte Aufgabe für die Militanten. (...) Diese Militanten wollen die Botschaft verbreiten, dass das Königreich nicht mehr sicher ist für Bürger aus dem Westen." Seine Regierung werde schärfer gegen militante Gruppen vorgehen.

Unter den zehntausenden Ausländern in Saudiarabien wächst die Furcht vor Anschlägen. Allein 30.000 Briten und 35.000 US-Bürger leben in dem Land. Vor einer Woche waren bei einem Anschlag der El Kaida in dem Ölzentrum Khobar 22 Menschen getötet worden, darunter 19 Ausländer. Der Anschlag hatte den Ölpreis aus Angst vor Versorgungsengpässen auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren steigen lassen. Seit Mai des vergangenen Jahres sind mindestens 80 Zivilisten und Polizisten bei einer Reihe von Selbstmordanschlägen und Angriffen der El Kaida getötet worden. (APA/Reuters)