Wien - Peter Mitterbauer, scheidender Präsident der Industriellenvereinigung, würde den Verein zur Förderung der so genannten "New Economy" von Finanzminister Karl-Heinz Grasser wieder sponsern, um das Gedankengut "Wir brauchen mehr junge Unternehmer" zu transportieren. Freilich würde man es heute "anders" machen: Der Finanzminister habe die Angelegenheit medienmäßig "nicht optimal" betreut, sagt Mitterbauer in der "Presse" am Montag.

"Kluge Leute in der Gewerkschaft"

Mitterbauer lobt "kluge Leute in der Gewerkschaft" wie Metaller-Boss Rudolf Nürnberger und bezeichnet "Schwarz-Blau" als Neubeginn, wiewohl zur Budgetsanierung noch mehr Reformen nötig seien. Bei der SPÖ sieht Mitterbauer dagegen keine Verjüngung.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel werden von Mitterbauer Rosen gestreut: Er sei ein "Bundeskanzler, der in hohem Maß Wirtschaft versteht und Europäer ist, dem man Notwendigkeiten und Chancen der Industrie nicht beibringen hat müssen, sondern mit dem es viel Gleichklang gegeben hat."

Was den Österreich-Konvent anlangt, ist Mitterbauer "nicht sehr optimistisch, dass da etwas herauskommt, das in einfachere Verwaltungsstrukturen, in einfacheren Gesetzesvollzug, in klare Kompetenzabgrenzungen mündet."

Es geht darum

Wie hat sich in den acht Jahren seiner Präsidentschaft die Arbeitnehmervertretung verändert? Mitterbauer: Die Arbeitnehmerorganisationen könnten die Veränderung, die in der Wirtschaft Platz greift, zwar verzögern oder nicht zur Kenntnis nehmen, aber die Konsequenzen daraus nicht aufhalten. Es geht darum: Wie kommen wir in Europa zu mehr Wachstum und damit zu mehr Beschäftigung und das unter dem Kontext der Ostöffnung und der Erfahrung, die Unternehmen dort machen? Das wird für die Arbeitnehmervertretungen ein dramatisches Problem.

Diese Dramatik werde sich besonders in der Lohnpolitik zeigen, da helfe es, dass in Österreich "kluge Leute" wie Nürnberger keine überzogenen Forderungen - a la Deutschland - stellten.

Fortsetzung von Schwarz-Blau?

Ob er sich eine Fortsetzung von Schwarz-Blau wünsche, sei eine Frage der handelnden Personen: "Für den Österreicher ist die Sozialpartnerschaft eine Metapher für Wohlstand, Neutralität, für die Sicherheit und die Große Koalition dafür, dass es bleibt, so wie es ist. Aber einen Industriebetrieb können Sie nach diesen Prinzipien nicht führen. Und auch nicht einen Staat in einer so dramatischen Veränderung - Erweiterung, Globalisierung, etc.", sagt Mitterbauer. (APA)