Berlin - Die US-Regierung hat die Europäer kurz vor dem Gipfeltreffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8) in den USA zu einem größeren Engagement beim Aufbau des Irak gedrängt. Der Hinweis auf die schwierige Sicherheitslage im Irak dürfe dafür "kein Hindernis sein", sagte der für Wirtschaftsfragen zuständige Staatssekretär im US-Außenministerium, Alan Larson, der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe).

EU-Vertreter hatten der Zeitung gesagt, wie sich Europas Unterstützung für den Wiederaufbau des Irak über die zugesagte Summe von 200 Millionen Euro im laufenden Jahr hinaus entwickle, hänge entscheidend von der Sicherheitslage ab. Larson drängte: "Wir müssen jetzt erklären, was wir bereit sind zu tun". Für die USA wie die Europäer sei ein Moment von strategischer Bedeutung gegeben, um die Reformen in der Region des Mittleren und Nahen Ostens zu fördern. Dieses Thema, zu dem auch der Abbau von irakischen Schulden gehöre, werde das G8-Treffen beschäftigen.

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George Bush wollen sich am Dienstag vor dem offiziellen Beginn des Gipfels zu einem Gespräch treffen. Dabei dürfte auch die Frage von Aufbauhilfen für den Irak und einem Schuldenverzicht eine wichtige Rolle spielen. Der Irak ist bei Deutschland nach Regierungsangaben inklusive Zinsen mit mehr als fünf Milliarden Euro verschuldet. Bisher hat Deutschland nur seine Bereitschaft zu einem "substanziellen" Beitrag zur Entschuldung des Irak bekundet, dies aber zahlenmäßig nicht konkretisiert. (APA/Reuters)