Wien - Die öffentlichen Dienstleister, die sich seit zehn Jahren auf mehr Wettbewerb einstellen mussten, haben in diesem Zeitraum massiv Personal abgebaut, ohne dass die neu entstandene private Konkurrenz Jobs im gleichen Maß aufgebaut hätte.

Dies ist das wenig überraschende zentrale Ergebnis einer am Montag von der Arbeiterkammer (AK) vorgestellten Studie. Besonders stark fiel der Beschäftigtenabbau bei der Post, in der Elektrizitätswirtschaft und bei den ÖBB aus. Der Beschäftigtenstand im Personennahverkehr und in der Wasserwirtschaft, zwei Bereichen, die bisher noch nicht liberalisiert wurden, ist dagegen eher gewachsen.

Kürzung von freiwilligen Leistungen

Mit dem massiven Jobabbau einhergegangen sind dabei Änderungskündigungen, Kürzungen bei Prämien und innerbetrieblichen Sozialleistungen, geringere Einstiegsgehälter für neu Eintretende, eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, mehr Teilzeitarbeit und ein stärkerer Arbeitsdruck, geht aus der Studie hervor, die von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba) erarbeitet worden ist.

Der Personalaufwand der Unternehmen ist in der untersuchten Periode (1996 bis 2002) bei den meisten Unternehmen gesunken, wenn auch unterproportional stark. Bei den ÖBB ist laut Studie der Personalaufwand trotz 20 Prozent weniger Jobs sogar um 6 Prozent gestiegen.

18 Prozent weniger Postler

Bei der Post ist die Beschäftigtenzahl seit 1996 um 18 Prozent, das sind mehr als 6.000 Personen, gesunken. Die neuen privaten Dienstleister in der Postbranche haben dagegen - wenigstens bis 2001 - um lediglich einige Hundert zugelegt. Auch die Elektrizitätswirtschaft ist personell stark zur Ader gelassen worden. Allein die größte Gesellschaft, der Verbund, hat seit Mitte der Neunzigerjahre rund 40 Prozent seiner Stellen abgebaut.

AK-Experte Werner Raza forderte am Montag ein Ende der Liberalisierungen und Privatisierungen. Falls nötig, müsse die österreichische Regierung auf europäischer Ebene ein Veto gegen weitere Weichenstellungen in diese Richtung einlegen. Die Arbeiterkammer lehne sowohl die geplante Vollprivatisierung der Telekom Austria als auch eine Teilprivatisierung der Post ab, unterstrich Raza.

Gleiches gelte für Liberalisierungen/Privatisierungen in der Wasserversorgung und im Personennahverkehr. Die "Daseinsvorsorge", also im Wesentlichen die öffentlichen Dienstleistungen, sollten doppelt in der künftigen österreichischen Verfassung verankert werden - als "Staatszielbestimmung und als soziales Grundrecht". (APA)