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Foto: REUTERS/Paul McErlane

Wien - Auch in Österreich gibt es am und um den 16. Juni, dem hundertsten "Bloomsday", zu Ehren seines Schöpfers James Joyce (1882 - 1944) zahlreiche Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Performances.

Der "Bloomsday" Juni verdankt seinen Ursprung einem der schwierigsten Werke der Weltliteratur - "Ulysses". Jährlich feiern weltweit zahlreiche Anhänger die Protagonisten Molly und Leopold Bloom so wie Stephen Daedalus, auch wenn sie möglicherweise den 18 Kapitel und 1100 Seiten langen Roman gar nicht gelesen haben. Von Berlin über Zürich bis Melbourne feiert man Bloomsday-Feste in Form von Lesungen, Performances und Filmvorführungen.

Wien

Die meisten Aktivitäten gibt es in Wien. Im Atelier Augarten, der Dependance der Österreichischen Galerie Belvedere, läuft seit Mai die Ausstellung "Ulysses. Die unausweichliche Modalität des Sichtbaren", in der zeitgenössische Künstler ihre Interpretationen des berühmten Romans zeigen. Darunter befinden sich etwa Arbeiten von Joseph Beuys, Man Ray, Franz West, Julius Deutschbauer, Gerhard Spring und Markus Schinwald. Im Rahmen der Schau findet am 20. Juni die temporäre Konzertinstallation "FILTER - superlooper" statt (19 Uhr). Am 13. Juni liest Kurt Palm "Come and look" (16 Uhr). Ebenfalls in den Räumen des Atelier Augarten gibt es am 16. Juni die "Bloomsdayparty" (ab 20.30 Uhr).

Das Sigmund-Freud-Museum veranstaltet den Vortragsabend "Über Joyce sprechen". William J. McCormack referiert "James Joyce, fundamentally a poet", John McCourt spricht über "Joyce's Ulysses. A Tale of Two Cities - Dublin and Trieste", und Mary King über "Subverting Stereotypes? Notes on Joyce's Exiles and its notes" (18 Uhr). Die Buchhandlung Shakespeare & Company bittet zum "Bloomsday Reading", bei dem jeder Interessierte eingeladen ist, "any text in any language" zu lesen, von acht Uhr morgens bis um 03.33 des nächsten Tages. Angemeldet haben sich bereits u.a. Kurt Palm, Angelika Hager, und Marius Gabriel.

In der Alten Schmiede liest Gerhard Kofler "Ritorno d'Ulisse/Rückkehr des Odysseus, und andere auf Joyce bezogene zweisprachige Gedichte. "Reform Art Unit" heißt der anschließende musikalische Teil mit "Finnegans Night Music". Es singt Margarete Jungen.

Bundesländer

Das Feldkircher Theater am Saumarkt feiert die "Irische Nacht" (19 Uhr). Mit dabei: Fritz Hammel und Brian O'Leary. In Graz planen Kunstschaffende einen mittelalterlichen "Charivari-Umzug" vom Medienturm in der Schönau zum Schauspielhaus, wo eine Künstlerin den Schlussmonolog der Molly Bloom vortragen soll; genaue Zeitangaben gibt es noch nicht. In Innsbruck findet im Cafe Katzung "100 Jahre Bloomsday - open reading" statt. Es lesen u. a. Christoph W. Bauer, Thomas Wiederin und viele andere spontan Entschlossene, die mit einem Irish Coffee und Irish Whiskey belohnt werden (18 Uhr).

Das Literaturhaus Salzburg veranstaltet "100 Jahre Bloomsday - James Joyce's Ulysses", eine ganztägige Tour, beginnend im Literaturhaus, wo die Stimme von Joyce, "Ulysses" lesend, zu hören sein wird. Mit Schülern gibt es anschließend ein Frühstück, dann wird die Begräbnisszene auf dem Sebastian-Friedhof dargestellt. Weitere Stationen: ein Konzert im Pub Shamrock mit Foggy Dew. Danach gibt es natürlich ein Fest (ab 9.30 Uhr).

Irland - Deutschland - Italien

Heuer jährt sich der berühmte Tag zum hundertsten Mal, was besonders in Dublin mit dem "ReJoyce Festival 2004" ausgiebig gefeiert wird: Dort gibt es am 16. Juni u. a. Das Kevin Doherty Concert "Bloomsday morning eight o'clock", die "Irish Youth Foundation Bloomsday Messenger Bike Rally", das "Guinness Bloomsday Breakfast", "just a song at twilight - Some Bloomin' great songs for Bloomsday", oder "Parable of the Plums". Darüber hinaus finden "Cocktail Conversations" statt, Gespräche über Joyce und die Welt, geführte Touren durch Dublin auf den Spuren von "Ulysses". Das Irish Museum of Modern Art (IMMA) präsentiert die Schau "High Falutin Stuff" mit Arbeiten von Joyce inspirierter Künstler. Joyce ist auch gegenwärtig im Dubliner Vorort Sandycove, im "Joyce Tower". Dort wohnte er im September 1904 sechs Tage lang, und dort spielt auch das erste "Ulysses"-Kapitel. Heute ist ein kleines Joyce-Museum in einem Raum unter gebracht.

In Deutschland gibt es zahlreiche Veranstaltungen am 16. Juni, etwa im Münchner Literaturhaus, das eine Vorab-Premiere der Arte-Dokumentation "Ulysses in Dublin" zeigt (Ausstrahlung am 18. 6. um 22.15 Uhr auf Arte). Danach gibt es den Konzertabend "Sirenengesänge. James Joyce und die Musik". Im Berliner Künstlerhaus Tacheless gibt es ein "Literarisches Fest" mit Lesungen und Performances.

In Italien zeigt das Bozener Kino "Club 3" zwei Joyce-Verfilmungen: "The Dead" von John Huston und "Ulysses" von Joseph Strick. Auch das Zürcher Literaturhaus feiert "Bloomsday 100", einen Abend mit der irischen Sängerin Mary Ryan, die Lieder aus "Ulysses" singen wird. Der "Celtic Club" in Melbourne zeigt zuerst die Dokumentation Joyce to the World", und hält dann Lesungen ab. Auch am literarischen Sektor tut sich etwas: rechtzeitig zum hundertsten Geburtstag des Bloomsday erschien im Mai die kommentierte deutsche Ausgabe von "Ulysses", hrsg. v. Dirk Vanderbeke im Suhrkamp Verlag.

Das Buch

Im Mittelpunkt des "Ulysses" steht Leopold Bloom, Annoncenmakler aus Dublin, am 16. Juni 1904. Oberflächlich betrachtet, beschreibt Joyce einen beliebigen Arbeitstag Blooms, seine Gänge durch die Stadt, seine Begegnungen, Gespräche, Eindrücke, Assoziationen. Dabei folgt er einer ausgetüftelten Architektur, deren Grundriss Homers Odyssee ist: Jede Station Blooms auf seinem Weg durch Dublin korrespondiert mit einer Episode der Irrfahrten des Odysseus durch die archaische Mittelmeerwelt.

Joyce kontrastiert das antike Helden-Epos mit den banalen Erlebnissen eines Dubliner Bürgers Anfang des 20. Jahrhunderts - die er dadurch zum "Weltalltag der Epoche" überhöht, wie Schriftsteller-Kollege Hermann Broch urteilte. Aber die Odyssee ist nur eine der vielen Bezugsebenen: Jedes Kapitel bedient sich seiner eigenen literarischen Technik und Symbolik; jedes ist einer anderen Kunst und einem anderen Organ des menschlichen Körpers gewidmet. Joyce rühmte sich, den Philologen Arbeit für Jahrhunderte hinterlassen zu haben. Am "Ulysses" schrieb er sieben Jahre lang. (APA/dpa)