Wien - Nach der leichten Entspannung am Ölmarkt wird nun auch Benzin in Österreich wieder billiger. Erstmals seit Februar haben die heimischen Mineralölkonzerne am Montag ihre Richtpreise für Benzin, Eurosuper und Superplus um 2 Cent gesenkt.

Diesel ist seit Montag um einen Cent billiger, teilten die führenden Konzerne OMV, BP und Shell einhellig mit. Der Ölpreis ist unterdessen zu Wochenbeginn weiter gefallen. Grund dafür sind nach Einschätzung von Experten vor allem die Ankündigung der OPEC zur Steigerung der Ölförderung und wachsende Ölreserven in den USA.

Ein Liter Eurosuper kostet nach der nunmehrigen Senkung in Österreich maximal 1,039 Euro, ein Liter Diesel 0,889 Euro. Diese Preise gelten vor allem für die Bedienungstankstellen an den Autobahnen. An Selbstbedienungstankstellen abseits der Autobahnen gilt - zumindest bei der OMV - für Eurosuper ein neuer Höchstpreis von 1,014 Euro, für Diesel 0,864 Euro.

Historischer Höchststand

Mit der letzten Erhöhung im Mai hatten die Benzinpreise in Österreich einen historischen Höchststand erreicht. Versuche der Politik, durch die Angleichung an die EU-Nettopreise eine Entspannung zu erreichen, waren zuletzt gescheitert.

Eine Vereinbarung mit dem Wirtschaftsministerium, wonach die OMV ihre Preise in den vergangenen Jahren nicht mehr als 2,9 Cent angehoben hat, ist allerdings bereits Ende April aufgelöst worden. Eurosuper hatte daraufhin in der Vorwoche um 3,2 Cent, Diesel um 2,4 Cent über dem EU-Mittel gelegen.

Der Autofahrerclub ARBÖ hat angesichts dessen am Montag postwendend weitere Benzinpreissenkungen verlangt. Trotz des nunmehrigen Preisschritts seien internationale Ölpreissenkungen nur unzureichend an die heimischen Autofahrer weitergegeben worden.

Vor allem bei Eurosuper, der gängigsten Benzinsorte, seien weitere Verbilligungen überfällig. Zwischen 1. Juni und heute Mittag, so der ARBÖ, seien die Notierungen für Eurosuper am Spotmarkt Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen um 13,9 Prozent von 441,5 auf 380 Dollar pro Tonne gefallen. Im selben Zeitraum hätten sich die Spritpreise bei Eurosuper jedoch um 0,3 Cent verteuert.

Ölpreis sinkt weiter

Der Ölpreis ist unterdessen in London am Montag auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai gesunken. Ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli verbilligte sich um 44 Cent auf 35,23 Dollar, nachdem der Preis vergangene Woche vor dem OPEC-Gipfel in Beirut noch bei einem Rekordwert 39,12 Dollar gelegen war.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hatte bei dem Gipfel eine Anhebung ihrer Ölförderquote um 2 Mio. Fass bis Juli und danach um weitere 500.000 Barrel täglich bis August beschlossen. OPEC-Öl hat darauf bereits vergangenen Freitag um fast einen Dollar nachgegeben, wie das Kartell am Montag mitteilte.

"Kein Kollaps der Preise"

Händler erwarten nun zwar "keinen Kollaps der Preise". Die Marktlage dürfte sich aber weiter entspannen, nachdem die Signale für Investoren eher auf Verkaufen stünden, sagte ein Ölbroker aus London laut Nachrichtenagentur Bloomberg. Der weltweite Ölbedarf wird demnach derzeit ausreichend gedeckt.

Das britischen Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economic Forecasting (OEF) schätzt, dass Öl derzeit mit einem Aufschlag von 8 Dollar je Fass gehandelt wird, weil Terroranschläge oder politische Unruhen zum Ausfall von Öllieferungen führen könnten.

Wenn die Befürchtungen nicht eintreten sollten, meinen die Forscher, könnten die Ölpreise daher rasch sinken. Komme es jedoch tatsächlich zu Ausfällen, sei auch ein weiterer Anstieg der Preise auf 50 bis 60 Dollar je Fass nicht auszuschließen. (APA)