Linz – Zwischen 30.000 und 40.000 Tonnen des nachweislich Krebs fördernden Baustoffes Asbest, überwiegend so genannter Weißasbest, wurden bis zum endgültigen Verbot im Jahr 1993 in Österreich jährlich verarbeitet. Obwohl das gefährliche Material mittlerweile bereits vor elf Jahren verbannt wurde, büßen heute mehr Menschen denn je die "Baustoffsünden" der Vergangenheit.

"Asbest-Nachsorge"

Gesundheitsexperten rechnen mit einem deutlichen Anstieg von speziellen Erkrankungen, vor allem der Atemwege, als Spätfolge der Schadstoffbelastungen. Den Gipfel der Asbestose-Erkrankungen werde man wahrscheinlich ab dem Jahr 2010 erreichen, warnt Oberösterreichs Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger (SP) am Montag in einer Pressekonferenz in Linz.

Die sei auch der Grund für den Start eines neuen österreichweiten "Asbest-Nachsorge-Projekts". Gemeinsam mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und dem Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrums Österreich (BBRZ) werde man jetzt österreichweit Beratungszentren errichten. "Ziel ist es, durch eine breite Informationskampagne bei Betroffenen mögliche gesundheitliche Asbest-Spätfolgen frühzeitig zu erkennen", so die Initiatoren.

Das Verbot des Werkstoffes sei die "primäre Gesundheitsprophylaxe gewesen", jetzt gelte es mit diesem neuen Projekt durch ein "umfassendes, medizinisches Beratungsprogramm eine sekundäre Prophylaxe zu schaffen", sagte AUVA-Präventionsdirektor Norbert Winker. Geplant sei, dass nach einer Erhebung mittels Fragebogen zur Dauer und Tätigkeit der Asbestexposition, Betroffenen eine freiwillige medizinischen Untersuchung in unmittelbarer Wohnortnähe angeboten wird, gab AUVA-Ärztin Irmgard Schiller-Frühwirth einen Einblick in das Projekt. (mro, Der Standard, Printausgabe, 08.06.2004)