Bild nicht mehr verfügbar.

Post-Gewerkschafter Gerhard Fritz fordert die sofortige Rücknahme des Regierungsbeschlusses.

Fotos: APA
Wien - Im Streit um einen Teilverkauf der Österreichischen Post AG schlägt die Gewerkschaft einen neuen Kurs ein. Haben die Belegschaftsvertreter bisher nur einen Mehrheitsverkauf klar abgelehnt, kommt für die Postler jetzt auch ein Minderheitsverkauf nicht mehr in Frage. Gewerkschaftschef Gerhard Fritz hat am Dienstag vor Journalisten die sofortige Rücknahme des entsprechenden Regierungsbeschlusses gefordert und mit "Kampfmaßnahmen" gedroht, "die Österreich in diesem Ausmaß noch nie erlebt hat".

Vorwürfe

Dem Vorstand der ÖIAG, Peter Michaelis, und dem Generaldirektor des eigenen Unternehmens, Anton Wais, wirft die Gewerkschaft wörtlich "kreditschädigendes" Verhalten vor. Beide hätten "wider besseres Wissen versucht, das Unternehmen mit falschen Zahlen schlecht zu reden, um in Politik, Wirtschaft und in der Öffentlichkeit" für die Privatisierung der Post zu werben.

Michaelis hatte vor dem Industrieausschuss im Parlament und im ÖIAG-Aufsichtsrat vor drohenden "Mindereinnahmen" für die Post in Höhe von rund 260 Mio. Euro im Zeitraum 2003 bis 2007 gewarnt. Quelle dafür ist - laut einem Schreiben von Michaelis an die Gewerkschaft - ein "Diskussionspapier" von Post-Chef Wais vom 2. Mai 2004. Dessen Finanzchef Rudolf Jettmar habe diese Zahlen im Post-Aufsichtsrat aber nicht bestätigt. Jettmar gehe im selben Zeitraum vielmehr von einem kumulierten Betriebsgewinn von 345 Mio. Euro aus. Allein im ersten Quartal 2004 - also noch vor dem 2. Mai - habe die Post einen Betriebsgewinn von 52,6 Mio. Euro erzielt, betont Fritz.

Misstrauensantrag überlegt

Für die Gewerkschaft habe Michaelis damit die Post in der Öffentlichkeit "schlechter dargestellt, als sie ist", und Fritz schießt nach: Wenn ein Manager so etwas tut, würde ich ihn nicht einmal zum Geschäftsführer eines Zuckerlgeschäfts machen." Die Gewerkschaft überlegt nun für die nächste ÖIAG-Aufsichtsratssitzung am 18. Juni einen Misstrauenstrag gegen Michaelis. (APA)