Wien - Die Situation der Frauen würde sich durch eine Europäische Verfassung verbessern, zeigte sich die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer am Dienstag in einer Pressekonferenz zuversichtlich. Die österreichischen Frauen seien jedenfalls mit ihrer sozialen Absicherung und den Möglichkeiten Beruf und Familie zu vereinbaren nicht zufrieden. Das habe eine Befragung von 1.000 Frauen zwischen 18 und 40 Jahren im Mai gezeigt, sagte Prammer. Und die SPÖ-EU-Parlamentarierin Christa Prets wünscht sich mehr Frauen im Europäischen Parlament.

Frauenanteil nach Parteien

Bei der SPÖ sehe der Frauenanteil unter den KandidatInnen für die EU-Wahl sehr gut aus, meinte Prets. Von 36 KandidatInnen seien 18 Frauen. Dies deshalb, weil die SPÖ das Reißverschlussprinzip gewählt habe: nach jedem Mann habe man eine Frau aufgestellt.

Die ÖVP, so Prets, habe von 36 KandidatInnen nur 16 Frauen aufzuweisen und die FPÖ habe unter 36 KandidatInnen gar nur acht Frauen aufgestellt. Überhaupt zähle man von 14.670 europäischen KandidatInnen nur 35,13 Prozent Frauen. Das definitive Wahlergebnis könne somit drastisch unter den derzeitigen Frauenanteil von 31 Prozent im Europäischen Parlament fallen, befürchtet Prets.

Geschlecht als Risiko

Diskriminierungen Frauen gegenüber gebe es genügend. So würden Frauen im Dienstleistungssektor, speziell bei Versicherungen, schwer benachteiligt. Österreich sei eines von sechs Ländern, die für die weitere Verwendung von geschlechtsspezifischen Faktoren bei der Berechnung von Prämien, Beiträgen und Leistungen beim Rat der Sozialminister gestimmt habe. Somit müssten Frauen bis zu 60 Prozent mehr in die private Krankenversicherung einzahlen und würden bei der Lebensversicherung weniger herausbekommen. Denn, so Prets, das Geschlecht würde bei den Versicherungen als Risiko gewertet: Frauen können Kinder bekommen und werden älter als Männer.

EU-Institut für Gleichstellungsfragen

Prets setze sich für die Errichtung eines "Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen" ein. Mit diesem Institut sei zu hoffen, dass Österreich und seine konservative Regierung auf Kapitalfehler in der Frauenpolitik hingewiesen werde. Die Einrichtung eines derartigen Instituts sei von den MinisterInnen am 1. und 2. Juni beim Rat der Sozial- und Gesundheitsminister unterstützt worden, sagte Prets. (APA)