Hamburg - Im Streit um die Stimmgewichtung in der Europäischen Union hat der Mathematiker Werner Kirsch von der Ruhr-Universität Bochum einen neue Lösungsvorschlag ins Spiel gebracht: Das Quadratwurzelgesetz von Lionel Penrose. Kirsch schlägt in der Wochenzeitung "Die Zeit" vor, der Einfluss eines Staates im Ministerrat sollte wie die Quadratwurzel aus seiner Bevölkerung wachsen, nicht etwa wie die Bevölkerung selbst.

"Um das gerechte Stimmgewicht eines Landes zu berechnen, müsse man aus seiner Bevölkerungszahl die Wurzel ziehen und daraus einen prozentualen Anteil an der Macht herleiten", so Kirsch. Für Deutschland ergebe das einen Machtanteil von 10,3 Prozent, für Frankreich 8,8 Prozent und für Polen 7,1 Prozent. Das System ließe sich ohne Schwierigkeiten auf künftige EU-Erweiterungen übertragen.

Es sei nicht sinnvoll, einen im Ansatz verfehlten Abstimmungsmodus mit kleinen Schönheitsreparaturen zu kaschieren, sagte Kirsch. Die ausgehandelten Stimmgewichte nach dem Vertrag von Nizza seien nicht gerecht und ließen keinerlei Systematik erkennen. (Apa)