Scharfe Kritik am Temelin-Betreiber CEZ und an der Informationspolitik der tschechischen Nuklearaufsichtsbehörde übte am Dienstag der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (V). SP-Klubobmann Karl Frais forderte von Kanzler Wolfgang Schüssel und Umweltminister Josef Pröll die sofortige Aufnahme von "echten Temelin-Ausstiegsverhandlungen" mit der tschechischen Bundesregierung. Und die "OÖ. Plattform gegen Atomgefahr" plant für Dienstagnachmittag eine Protestaktion in Linz.

"65 Pannen sind genug"

"65 Pannen sind genug", betonte Pühringer. Da das AKW schon im Probebetrieb offensichtlich nicht in den Griff zu bekommen sei, sollte Tschechien im eigenen Interesse endlich Konsequenzen ziehen und die Nullvariante debattieren, "statt immer wieder neue Ausbaupläne zu wälzen". Oberösterreich werde sich auch an die tschechische Regierung wenden und genaue Informationen über den Zwischenfall im Primärkreislauf sowie die weiteren geplanten Maßnahmen einfordern, so Pühringer. Eine Fortsetzung des Probebetriebes sei jedenfalls aus oberösterreichischer Sicht unvorstellbar.

"Echte Ausstiegsverhandlungen"

"Die Zeit des Kommentierens ist vorbei", erklärte SP-Klubobmann Frais. Tschechien sei nun in der Europäischen Union und "somit nicht nur unser Nachbarstaat sondern auch unser Partner auf europäischer Ebene". Mit diesem müsse die österreichische Bundesregierung nun echte Ausstiegsverhandlungen aufnehmen, damit Temelin endgültig abgeschaltet werde. Der derzeitige Weg der bloßen Informationspolitik über Schäden habe sich als völlig unzureichend erwiesen, so Frais. Österreich müsse sich aktiv um ein Gespräch bemühen. Auch für Tschechien sei ein Ende mit Schrecken besser als ein "radioaktiver Schrecken ohne Ende".

Protestaktion

Die "OÖ. Plattform gegen Atomgefahr" kündigte in einer Presseaussendung für Dienstagnachmittag eine Protestaktion in Linz an. Die Pannenserie im AKW Temelin reiße nicht ab. "Wir protestieren mit dieser Aktion gegen die Ignoranz und gegen die Verharmlosung" des Zwischenfalls, so Obfrau Mathilde Halla. Treffpunkt sei um 16.45 Uhr beim Brückenkopfgebäude Ost - Nibelungenbrücke. Um eine Blockade der Fahrbahn von 17.00 bis 18.00 Uhr sei angesucht worden. (APA)