"Jedes Produkt, das die Probephase nicht übersteht, kommt normalerweise nicht auf den Markt. Temelin ist dabei ein Sonderfall." So kommentierte Salzburgs FPÖ-Landesparteiobmann Karl Schnell am Dienstag den neuerlichen Störfall (bereits 65. Anm.) im AKW Temelin. Das Verhalten der tschechischen Behörden im Zuge des neuerlichen Störfalls sei mehr als bedenklich. Sollte Tschechien nicht bald einlenken, sollte eine Klage in Brüssel oder Den Haag überlegt werden, meinte Schnell in einer Aussendung.

Der neueste Störfall im Primärkreislauf des Kraftwerks sei besonders bedenklich. "Der Primärkreislauf ist der sicherheitsrelevanteste Teil im an sich geschlossenen System. Ein gänzliches Versagen im Normalbetrieb kann sich katastrophal auswirken", so Schnell.

"So geht man nicht mit Partnern um"

Österreich erst 24 Stunden nach dem Störfall zu informieren, sei mehr als bedenklich. Es zeige sich dabei, wie ernst Tschechien die bisherigen Bemühungen Österreichs nehme. "Offiziell gab es bisher 64 Störfälle. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele uns gar nicht mitgeteilt wurden", fragt sich der FPÖ-Chef. Das Verhalten der tschechischen Behörden zeige auch, dass unser Nachbarland nach wie vor nicht reif für die Europäische Union sei. "So geht man nicht mit Partnern um. Das Verhalten erinnert mich eher an Zeiten des ehemaligen Ostblocks, wo alles verschwiegen wurde, bis es nicht mehr übersehen werden konnte", so Schnell.

Kritik übte der Salzburger FPÖ-Landesparteiobmann auch an Umweltminister Josef Pröll (V). "Sich damit abzufinden, dass wir erst 24 Stunden später informiert wurden, ist zu wenig." Vielmehr müsse der Umweltminister mit der tschechischen Regierung ein ernstes Wort sprechen. Sollte Tschechien weiterhin die Bedenken Österreichs ignorieren, müssten auch rechtliche Schritte überprüft werden. Gegebenenfalls müsste ebenfalls eine Klage beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingebracht werden. "Salzburgs Freiheitliche haben bereits in einem Gutachten die Möglichkeit einer Klage prüfen lassen. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht", erklärte Schnell abschließend. (APA)