Der wegen möglicher Steuereinsparungen in Milliardenhöhe in der Kritik stehende Mobilfunkanbieter Vodafone hat den Vorwurf zurückgewiesen, bereits bei der Übernahme von Mannesmann eine spätere Wertberichtigung geplant zu haben. "Wir weisen eine solche Unterstellung von uns", sagte ein Sprecher von Vodafone in Düsseldorf am Dienstag. Kritik Damit reagierte das seit Tagen in der öffentlichen Kritik stehende Unternehmen auf eine Äußerung des stellvertretenden CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers. "Man kann nicht ausschließen, dass solche Berechnungen schon damals bei der Übernahmeschlacht mit einkalkuliert worden sind, dass das vielleicht sogar Grundlage für die Übernahmemöglichkeit von Mannesmann durch Vodafone gewesen war", hatte Rüttgers im Deutschlandfunk gesagt. Allerdings dürfe man niemanden vorwerfen, dass er die Rechtslage bei den Steuergesetzen ausnutze. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Rainer Wend (SPD). Es liege der Verdacht nahe, dass beim Verkauf ein künstlich überhöhter und damit steuerlich sinnvoller Preis gezahlt worden sei und nicht der Marktpreis. Dies müsse nun geprüft werden. "Es gibt den Verdacht, dass die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten missbraucht wurden", sagte er Reuters. Planung Steuerfachleuten zufolge sind steuermindernde Wertberichtigungen alltägliche Instrumente der Steuerplanung von Unternehmen. Die von Vodafone zu Steuerspar-Zwecken beantragte Wertminderung seines Mannesmann-Aktienpakets müsse das Unternehmen durch Gutachten nachweisen, um vorsätzlich falsche oder überhöhte Wertansätze auszuschließen. Andernfalls könne die Steuerminderung durch die Finanzbehörden versagt werden. Hintergrund ist die Übernahme von Mannesmann durch den mittlerweile weltgrößten Mobilfunkanbieter Vodafone im Frühjahr 2000. Für Mannesmann mit seiner starken Mobilfunkpräsenz in Italien und Deutschland bot Vodafone rund 200 Mrd. Euro. Statt mit Bargeld bezahlte Vodafone mit eigenen Aktien, woraus sich ein Kaufpreis von umgerechnet 353 Euro ergab. Stufenweise In mehreren Schritten reduzierte Vodafone später den Wertansatz des übernommenen Aktienpakets. In der Steuererklärung für 2001 wurden die Aktien nach einem konzerninternen Verkauf von einer Luxemburger an eine deutsche Tochter nur noch mit 200 Euro pro Stück bewertet. Aus der Sicht des Unternehmens ergibt sich daraus eine Teilwertabschreibung auf den Kaufpreis in Höhe von rund 50 Mrd. Euro. Erkennen die Finanzbehörden diese Wertminderung als dauerhaft und vom Umfang her als gerechtfertig an, könnte Vodafone den Wertverlust mit anfallenden Gewinnen von bis zu 20 Mrd. Euro verrechnen und bliebe auf Jahre steuerfrei. Vodafone begründet die Wertminderung mit der Talfahrt an den Börsen seit dem Frühjahr 2001. Vodafone sei es erst nach monatelangen Verhandlungen und hartnäckigem Widerstand in einer Boomphase der Börse gelungen, Mannesmann zu übernehmen. "Dass die Aktienkurse später kräftig nachgeben, war nicht vorhersehbar", sagte Vodafone-Sprecher Jens Kürten. Kalkulation Steuerrechtler Florian Hartl von der Wirtschaftskanzlei Göhmann Wrede Haas Kappus & Hartmann sagte, "sollte sich erweisen, dass der Kaufpreis teilweise auch deshalb so hoch kalkuliert wurde, weil bereits mit den steuerlichen Entlassungen aus der Möglichkeit einer Teilwertabschreibung gerechnet worden war, wäre dies ein Missbrauch steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten." Die beabsichtigte steuerliche Entlastung könnte dann versagt werden. Nach Angaben des Deutschen Steuerberaterverbandes muss Vodafone durch Gutachten und Börsenkurse nachweisen, dass die Wertminderung des Mannesmann-Aktienpakets dauerhaft war. Auch müsse ein Nachweis darüber erbracht werden, dass der Preis für die konzerninterne Übergabe des Aktienpakets marktüblichen Preisen entsprochen habe und auch von anderen bezahlt worden wäre. Nach den Worten eines Branchenexperten sind Wertberichtigungen und Umschichtungen im Anteilsbesitz bei Großunternehmen eine Frage der vorausschauenden Steuerplanung: "Wie erreiche ich dort Verluste, wo ich Gewinne schreibe und daher Steuern zahlen müsste", sagte der Branchenkenner. (APA/Reuters)