Rom - Die Staatsanwaltschaft von Palermo hat am Dienstag elf Jahren Haft für Marcello Dell'Utri (63), einen engen Vertrauten des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, gefordert. Gegen Dell'Utri, Senator der Berlusconi-Partei Forza Italia, läuft in Palermo ein Prozess wegen seiner mutmaßlichen Verbindungen zur Mafia. Die Staatsanwälte von Palermo werfen ihm vor, in den achtziger Jahren und bis 1994 Verbindungen zur sizilianischen Mafia gepflegt zu haben. Die Justizbehörden vermuten, dass Dell'Utri, seit 1994 Parlamentarier der Forza Italia, der Mafia Schmiergelder gezahlt hat.

"Die Strafe ist gerecht, weil Dell'Utri ein Parlamentarier ohne Staatssinn ist. Er hat auch nach den Mafia-Anschlägen in den Jahren 1992 und 1993 Kontakte zur Cosa Nostra gepflegt", so der Staatsanwalt Antonio Ingroia am Dienstag.

Dell'utri sieht sich als Opfer

Mit Schwarzgeldern habe sich die von Berlusconi kontrollierte Mediengesellschaft Fininvest die Ausweitung ihrer Geschäfte auf Sizilien gesichert, meinte der Staatsanwalt. Belastet wurde der Mitarbeiter Berlusconis auch durch die Aussagen von 22 Zeugen. Dell'Utri hatte sich stets als Opfer einer politischen Verfolgungskampagne erklärt.

Dell'Utri war Ende April von einem Mailänder Gericht wegen eines Erpressungsversuchs zu zwei Jahren Haft und zur Zahlung einer Entschädigung von 15.000 Euro verurteilt worden. Laut den Richtern hatte Dell'Utri im Jahr 1992 als Chef von Berlusconis Werbefirma Publitalia mit Unternehmern ein Sponsor-Abkommen für ein sizilianisches Basketballteam im Wert von 550.000 Euro abgeschlossen. Er hatte jedoch die Hälfte der Summe schwarz als steuerfreies "Honorar" verlangt.

Der ehemalige Geschäftsführer der "Publitalia" war 1996 von einem Gericht in Turin bereits zu drei Jahren Haft wegen Steuerbetrug und Urkundenfälschung verurteilt worden. Der aus Sizilien stammende Dell'Utri war im Mai 1995 in Untersuchungshaft genommen worden, da er angeblich Unterlagen gefälscht und Beweismaterial vernichtet hat. (APA)