Wahlkampf hat ja immer etwas von Karaoke. Schließlich besteht beides aus dem herzhaften Wiederkäuen von Dingen, die andere schon besser interpretiert haben. Und Karaokist wie Wahlkämpfer scheitern in der Regel daran, die Kopie als Original zu verkaufen: Das Resultat ist durch und durch peinlich, wird aber trotzdem von der dem Auftretenden verpflichteten Klientel bejubelt.

Montagabend kam im Wiener "Café Europa" zusammen, was zusammengehört: Weil Österreich ja "wieder gehört werden" muss, demonstrierte Hannes Swobodas Wahlkampftross (unfreiwillig), wie blamabel bloßes Lärmmachen um des Gehörtwerden-Willens ist. Swoboda sang zwar nicht selbst, durfte aber (Seite an Seite mit Starmania-Domina Marika Lichter) immer wieder behaupten, er genösse "Imagine"-Gepiepse und "We are the world"-Gejaule.

Zur Halbzeit verließ Zaungast und ORF-Moneymaker Alexander Krause das Lokal mit der Erkenntnis, dass die Veranstaltung Niveau und Inhaltsschwere des Europawahlkampfes – parteiunabhängig – "absolut entsprochen" habe: "Ich ertrage diese Provinzposse nicht mehr. Wir leben doch in Europa – warum kann ich da keine Niederländer oder Franzosen wählen?"

(DER STANDARD Printausgabe 9. 6. 2004)