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Foto: APA/Mayer/MAK
Wien- Wer sich dem MAK derzeit von der Weiskirchnerstraße her nähert, wird irritiert sein: Das Museum präsentiert seine Breitseite als Plattenbaufassade. Die Intervention ist Teil der am Mittwoch anlaufenden Ausstellung "Kampagnen ohne Auftrag. Otto Mittmannsgruber und Martin Strauß: Kunstprojekte in Massenmedien 1995-2004" und soll, so MAK-Direktor Peter Noever bei der heutigen Presseführung, unter anderem darauf hinweisen, dass das MAK als kulturelle Institution nicht mehr Aufmerksamkeit genieße als ein Gemeindebau.

Strauß und Mittmannsgruber verstehen die MAK-Verkleidung zudem als Kommentar zur tristen Situation des städtischen Wohnbaus. Nicht zuletzt sei sie auch "eine symbolische Dienstleistung, ein kleines Dankeschön an das Haus", das zugleich dazu aufgerufen wird, "sich mit dieser Realität draußen auseinander zu setzen". Draußen, bzw. im öffentlichen Raum, sind auch die künstlerischen Interventionen des Duos verortet und wirksam, die derzeit im MAK-Kunstblättersaal dokumentiert werden.

Fragen aufgeworfen

Insbesondere Plakatflächen und Printmedien sind die künstlerische Spielwiese, in die Strauß und Mittmannsgruber seit 1995 ihre Fragen und Reflexionen zu gesellschaftlichen, politischen und wahrnehmungsästhetischen Fragen platzieren. Den Auftakt bildete 1995 der "Monolog des Vertrauens", eine Plakataktion, bei der sich eine Reihe von Firmen dazu bereit erklärte, auf ihr Logo und ihre Corporate Identity zu verzichten und ihren Namen als simple Blockbuchstaben auf gelbem Grund affichieren zu lassen. Ein Marketingkonzept für alle also - ein Widerspruch und, wenn man so will, eine Provokation im Zeitalter des globalen Wettbewerbs.

In der Folge überzog das Duo Plakate mit schwarzen Lochrastern ("Testbilder") und konfrontierte die Passanten bzw. die STANDARD-Leser mit affichierten bzw. inserierten Fragen wie "Stört Sie dieses Plakat ?" oder "Welche Sicht von Politik vermittelt dieser Beitrag?". Im Zug einer Plakataktion zum österreichischen "Millenniumsjahr" 1996 wurden die Porträts von 13 historischen Künstlern und Intellektuellen (von Mozart bis Thomas Bernhard) in der Ästhetik von Polizei-Fahndungsbildern plakatiert. Im selben Jahr affichierte man auf einem schon etwas angepatzen Karo-Tischtuch als Plakathintergrund den Spruch "Wir bleiben unter uns!" und den Vermerk "1996 konnten wir 92 Prozent aller Asylanträge ablehnen!"

Kleber und Verhinderer

Für Aufregung sorgte vor allem eine Art Wandzeitung am Wiener Urban-Loritz-Platz, auf der im Wende-Jahr 2000 pro Woche ein Politiker-Zitat aufgeklebt wurde. Nicht zuletzt im Hinblick auf den Ausstellungstitel "Kampagne ohne Auftrag" stellt sich bei dieser Arbeit natürlich die Frage, wer sie finanziert.

"Wir arbeiten immer aus eigener Initiative heraus", stellt Mittmannsgruber klar, "und die Kosten für Plakatkunst sind gering." Es gehe vielmehr um die Genehmigung der Plakataktionen, und da seien Politiker "eher die Verhinderer." Eine Plakataktion durchgängig zu ermöglichen oder zu verhindern, sei für Politiker aber kaum möglich, weil die Entscheidungen jeweils auf Bezirksebene gefällt würden. "Und da stimmen immer zwischen zehn und 15 Leute mit." Unterschiedlicher Couleur, versteht sich. (APA)