Bonn - Grimms Märchen und die allererste Amerika-Karte sollen künftig zum UNESCO-Welterbe zählen. Wie die deutsche UNESCO-Kommission in Bonn mitteilte, schlug das deutsche Nominierungskomitee am Dienstag auch die mehr als tausend Jahre alte Heiratsurkunde von Kaiser Otto II. und Kaiserin Theophanu zur Aufnahme in das Weltdokumentenerbe der UN-Kulturorganisation vor.

Diese Liste wird seit 1997 geführt und besteht inzwischen aus 91 historischen Stücken wie dem Original der Erklärung der Menschenrechte aus der Französischen Revolution von 1789. Eine Entscheidung des UNESCO-Generaldirektors über deutsche Neueinträge wird im Herbst nächsten Jahres erwartet.

"Universelles Muster völkerübergreifender Märchenüberlieferung"

Die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm seien neben Martin Luthers Bibelübersetzung "das bekannteste und weltweit am meisten verbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte", betonte das Komitee. Sie seien in mehr als 160 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile übersetzt worden und hätten ein "universelles Muster völkerübergreifender Märchenüberlieferung geschaffen". Bedeutendste erhaltene Quelle sind demnach die im Kasseler Brüder-Grimm-Museum aufbewahrten Handexemplare der Märchen.

Die erste Amerika-Karte entstand den Angaben zufolge im ostfranzösischen Gymnasium Vosagense in St. Die unter Leitung von Martin Waldseemüller. Das 1507 gedruckte, unschätzbare Stück mit dem Titel "Universalis cosmographica secundum Ptholomaei traditionem et Americi Vespucii aliorumque Lustrationes" gehört seit 2003 der Bibliothek des US-Kongresses in Washington. 15 Jahre nach der Landung von Christoph Columbus wurde in der Weltkarte erstmals die Kontinent-Bezeichnung "America" zu Ehren des italienischen Seefahrers Amerigo Vespucci benutzt. Sie gelte zudem als "die erste Landkarte, welche die westliche Hemisphäre und den Pazifischen Ozean getreu wiedergibt".

Erst geheiratet, später vererbt

Die Heiratsurkunde von Otto. II und Theophanu in Rom habe einen Ruf als "die schönste und wertvollste Urkunde des europäischen Mittelalters", erklärte das deutsche UNESCO-Komitee. Das purpurne Pergament vom 14. April 972 ist fast anderthalb Meter lang und knapp vierzig Zentimeter breit. Die Experten würdigten die reich verzierte Urkunde mit Goldschrift auch als "einzigartiges Beispiel der politischen Beziehungen" zwischen Abend- und Morgenland. Aufbewahrt wird das Pergament im Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel.(APA)