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Dieudonné M'Bala M'Bala, Kandidat der "Euro-Palestine"

Foto: APA/Sipa/Alfred
Das Wahlplakat ist nicht in den EU-Farben Blau und Gold, sondern in Grün, Weiß und Rot gehalten. Eben wie die palästinensische Flagge. Daneben prangen eine Friedenstaube, ein Olivenzweig und eine Reihe gelber Sterne. Letztere stellen immerhin noch ein europäisches Symbol dar - sonst hat die Werbung von "Euro-Palestine" wenig mit Europa zu tun.

Oder doch? "Der Frieden in Palästina geht uns alle an", meint Christophe Oberlin, Listenführer der Bewegung in der Ile-de-France (Großraum Paris). "60 Prozent der Europäer schätzen, dass die Politik der israelischen Regierung eine schwere Bedrohung für die Welt darstellte." Der 52-jährige Chirurg Oberlin, der einmal in der Sozialistischen Partei war und im Gazastreifen ein gutes Dutzend Einsätze als Arzt geleistet hat, bezieht sich dabei auf eine umstrittene Meinungsumfrage, die zwischen Jerusalem und Brüssel schon für einige Spannung sorgte.

Sharon im Visier

Auch sonst scheuen die Organisatoren von "Euro-Palestine" den Konflikt nicht. Bei ihrer ersten Pressekonferenz nannten sie ohne Umschweife die Ziele ihrer Kritik: natürlich den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, dazu die extremistische Zionistenvereinigung Betar, den jüdischen Dachverband Frankreichs (Crif) oder den Listenführer der rechtsbürgerlichen UMP-Partei in Paris, Patrick Gaubert - zufälligerweise auch jüdischer Abstammung.

Olivia Zemor, eine andere Kandidatin, verurteilt zudem die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sei, sowie die "Erpressung mit dem Antisemitismus", der die Liste "Euro-Palestine" mundtot zu machen suche. Dabei seien 15.000 Anhänger zu einem Wahlkampf-Konzert am Stadtrand von Pariser gekommen, obwohl die Medien darüber geschwiegen hätten.

Prominentester Kandidat ist Dieudonné, ein schwarzer Komiker, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde, als er in einem Fernsehsketch einen orthodoxen Juden imitierte und dabei "Isra-Heil" rief. In dem nachfolgenden Gerichtsprozess ist Dieudonné vor wenigen Tagen freigesprochen worden; die Staatsanwaltschaft legte allerdings Berufung ein.

Ob der Satiriker am 13. Juni die französischen Wählermassen anziehen wird, muss sich weisen. Vor zehn Jahren hatte eine Liste mit einer ebenfalls außereuropäischen Thematik namens "Sarajewo" - damals unter Schirmherrschaft des Philosophen Bernard-Henri Lévy - 1,6 Prozent der Stimmen erzielt. Das Abschneiden von "Euro-Palestine" wird Aufschluss darüber geben, ob sich französische Wähler eher durch den Nahostkonflikt oder den europäischen Balkan mobilisieren lassen.

Sozialisten vorn

Die Erfolgschancen der umstrittenen Gruppierung erhöhen sich aber möglicherweise durch den sonst sehr flauen Wahlkampf, in dem europäische Themen kaum eine Rolle spielen. Nach den jüngsten Umfragen liegen die oppositionellen Sozialisten mit rund 27 Prozent deutlich vor der Staatspräsident Jacques Chirac nahe stehenden UMP (18 Prozent) und den klar proeuropäischen Liberalen (UDF), die bei rund elf Prozent stehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2004)