Berlin - Die Zuhörer in der Landesvertretung von Baden-Württemberg in Berlin bekamen am Dienstag einen kleinen Eindruck, wie der EU-Wahlkampf in Österreich abläuft. Der frühere österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) berichtete von Plakaten der FPÖ, auf denen es heiße: "Türkei in die Union, nicht mit mir!" Dieser Slogan solle "leicht reingehen", so Vranitzky, der als Laudator das Buch "Türkei und EU" des ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz präsentierte.

"Christenklub"

Ein Raunen ging durch den Saal, als Vranitzky einen katholischen Bischof - ohne Kurt Krenn zu nennen - zitierte, der von der "dritten Türkenbelagerung" spricht. Vranitzky ließ Sympathien für einen EU-Beitritt der Türkei erkennen, betonte aber, "eine EU-Mitgliedschaft hängt mit der Beachtung von Kriterien zusammen".

Yilmaz selbst warb für die Aufnahme seines Landes in die EU, die kein "Christenklub" werden dürfe. Er meinte aber auch: "Veränderungen erfordern Mut." Auch der frühere griechische Außenminister, Theodoros Pangalos, sprach sich bei derselben Veranstaltung für einen EU-Beitritt der Türkei aus. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2004)