Waldheim. Watchlist. Haider. Sanktionen. Fällt irgendjemandem etwas auf? Seit 20 Jahren wird dieses Land nicht mit der Nazi-Vergangenheit fertig. Seit 20 Jahren handeln die erbittertsten politischen Auseinandersetzungen immer nur davon, dass in der Mitte unserer Politik etwas geduldet wird, was nicht zu dulden ist: eine unklare Haltung zum Nationalsozialismus.

Die aktuelle Ungeheuerlichkeit: Molterer fordert Gusenbauers Rücktritt, was ihm zu Haiders fortlaufenden NS-Spielereien noch nie eingefallen ist. Bei Waldheim ging es darum, ob einer Bundespräsident sein sollte, der ganz bewusst seine Wehrmachtszeit am Balkan unterschlagen hatte.

Bei Haider/Schüssel geht es darum, ob einer eine Regierung halten darf, der x-mal mit Nationalsozialismus und Antisemitismus gespielt hat. Das verfolgt uns seit 20 Jahren (oder seit 30 Jahren, als Bruno Kreisky den FPÖ-Obmann Friedrich Peter schützte, dessen SS-Einheit in Russland Massenerschießungen von Juden durchführte).

Weil wir nicht endlich einen "Schlussstrich ziehen"? Nein, weil wir die Frage nie klar und eindeutig gelöst haben. Solange wir da nicht gleichziehen, ist unser politisches Leben zur ewigen Wiederkehr des immer Gleichen verurteilt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.6.2004)