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Die Fotos und Videos aus Abu Ghraib sind den Ermittlern laut "Washington Post" seit Jänner bekannt.

Foto: REUTERS/Washington Post
Washington - Beim erzwungenen Entkleiden von Häftlingen moslemischen Glaubens im Irak hat es sich nach einem Bericht der "New York Times" nicht um isolierte Zwischenfälle, sondern um gängige Praxis gehandelt. Außerdem sei der erste Häftling im Militärgefängnis von Abu Ghraib bereits im Juli vergangenen Jahres gezwungen worden, fünf Tage lang ohne Kleidung in seiner Zelle zu verbringen, berichtet die Zeitung am Dienstag.

Schon vor Eintreffen der 372. Kompanie der Militärpolizei, in deren Zeit ab Mitte Oktober vergangenen Jahres die schwersten Folterungen von Häftlingen fielen, sei "erzwungene Nacktheit" akzeptierte Praxis gewesen.

Nach Angaben des Blattes wurden auch moslemische Häftlinge in Afghanistan und auf der US-Militärbasis Guantanamo Bay auf Kuba zum Ablegen ihrer Kleidung gezwungen. "Es war ein ganz harter Moment für mich. Es war wie der Tod", zitiert die "New York Times" einen ehemaligen afghanischen Häftling.

US-Soldatinnen hätten sich in aller Öffentlichkeit über die Geschlechtsteile der Männer lustig gemacht. In Guantanamo Bay hätten Häftlinge für gutes Betragen Stück für Stück ihrer Kleidung zurückerhalten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf freigelassene Gefangene.

Nach Angaben eines Militärsprechers sei Nacktheit auf der Militärbasis nie im Zusammenhang mit Verhören oder Disziplinarmaßnahmen aufgetreten. Nach einer Serie von Selbstmordversuchen sei gefährdeten Häftlingen aus Sicherheitsgründen die Kleidung abgenommen worden. (APA/dpa)