Mehr als 25 Millionen Euro in nur eineinhalb Jahren soll ein chinesischer Schlepperring für Schleusungen aus Peking nach Wien kassiert haben. Der mutmaßliche Haupttäter, ein in Wien lebender, bisher angesehener Geschäftsmann chinesischer Herkunft, seine Exgattin und seine Tochter sowie zwei weitere angebliche Komplizen wurden Dienstag nach monatelangen Ermittlungen des Bundeskriminalamtes verhaftet.

Der 51-jährige Hauptverdächtige, der in Wien mehrere Handelsgesellschaften betreibt, weist alle Beschuldigungen zurück. Doch die Polizei wirft ihm vor, bis zu 1800 Menschen aus China nach Österreich geschleust zu haben. "Und zwar mit dem Studententrick via Flugzeug", erklärte Major Gerald Tatzgern, Antischlepperchef im Bundeskriminalamt, im Gespräch mit dem STANDARD. Die Geschleppten erhielten als vermeintliche Studenten die Genehmigung, in Österreich zu leben. Die Unterlagen waren teilweise gefälscht. "Wir sind sogar auf nicht existierende Studienrichtungen, nach dem Muster ,Die Tiefenpsychologie der bolivianischen Zwergschnecke' gestoßen", schildert Tatzgern. Das Geld, mit dem chinesische Studenten normalerweise nachweisen müssen, dass sie in Österreich ihren Lebensunterhalt bestreiten können, soll als Schlepperlohn gedient haben - bis zu 18.000 Euro pro Person.

14 Hausdurchsuchungen

Bei insgesamt 14 Hausdurchsuchungen wurden laut Tatzgern bis Dienstagnachmittag rund 400.000 US-Dollar und 60.000 Euro in bar sowie 100 Sparbücher mit mehreren Hunderttausend Euro beschlagnahmt.

Ein Teil des Geldes dürfte der Hauptverdächtige in legale Geschäfte investiert haben. Da der 51-Jährige in Österreich bis dato als Steuerzahler nicht aufgefallen ist, ermitteln nun auch die Finanzbehörden. Ebenfalls noch überprüft wird, ob ein im vergangenen Jänner verhafteter Fremdenpolizist in die Machenschaften verwickelt ist. Schon vor Jahren war der Verdacht aufgetaucht, dass als Studenten in Wien lebende Chinesen in Wahrheit nach Österreich geschleppt worden waren. Der Polizeijurist könnte dazu beigetragen haben, dass die damaligen Ermittlungen immer im Sand verlaufen sind. (Michael Simoner/DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.6.2004)