Nach dem angekündigten Einstieg der schweizerischen Swisscom ins TV-Geschäft schlägt Cablecom zurück: Die Kabel-TV-Betreiberin will die Festnetztelefonie aufmischen und bricht einen Preiskampf vom Zaun. Aber nicht die ganze Schweiz kann profitieren. Und der Kundendienst bleibt ungenügend.

"Auch sechs Jahre nach der Liberalisierung dominiert die Swisscom den Schweizer Festnetzmarkt sehr stark", sagte Cablecom-Chef Rudolf Fischer am Dienstag vor Journalisten in Zürich. Trotz Konkurrenz von beispielsweise Sunrise oder Tele2 könne die Swisscom mit 65 Prozent aller Kunden satte 88 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 3 Mrd. Franken (1,97 Mrd. Euro) einstreichen.

Diese Situation solle sich jetzt ändern, sagte Fischer. "Digital Phone ist die die erste wirkliche Alternative zur Swisscom", sagte der Produktverantwortliche Stefan Luder.

Cablecom will den Fernmeldekonzernen die Kunden über den Preis abwerben. Ab dem 1. Juli könnten die Festnetznutzer von abends sieben bis morgens um sieben Uhr und während des ganzen Wochenendes gratis telephonieren. Werktags kostet ein Gespräch 3 Rappen pro Minute und bei einer Einwahlgebühr von 8 Rappen.

Für den ersten Anschluss verlangt die Kabelnetzbetreiberin monatlich 20 Franken. Zum Vergleich: Die Swisscom will für einen Anschluss 25,25 Franken pro Monat. Laut dem Internet-Vergleichsdienst Comparis muss ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt bei Cablecom monatlich für Gespräche und Anschlussgebühr beinahe 30 Prozent weniger bezahlen als bei der Swisscom.

Das Gratisangebot in der Nacht und am Wochenende könne sich Cablecom dank der Anschlussgebühren leisten. Ab "etwas über 100.000 Kunden" erreiche Cablecom im Telephongeschäft die Gewinnschwelle, sagte Fischer. In einigen Jahren sollen mehrere hunderttausend Personen mit Cablecom telephonieren. Derzeit sind es 32.000.

Die Swisscom betrachte die Preisoffensive von Cablecom als "Herausforderung" und werde ihre eigenen Angebote bezüglich Dienstleistungen, Qualität und Preis analysieren, sagte Sprecher Christian Neuhaus.

Die Konkurrenz spiele auf der letzten Meile: Eine Entbündelung brauche es nicht, weil sie den Markt verzerre, sagte Neuhaus im Hinblick auf die politische Auseinandersetzung um die Liberalisierung der Hausanschlüsse.

Ob der größte Telekomkonzern der Schweiz die Preise senken werde, sei noch offen, sagte Neuhaus. Attackieren will die Swisscom die TV-Kabelnetzbetreiberin im Fernsehgeschäft, um sich im Markt behaupten zu können.

Die nächste Preisrunde im Festnetz steht andernorts bereits vor der Tür: "Im August kommt wieder ein neuer Knaller", sagte Tele2- Geschäftsführer Roman Schwarz.

Die ganze Schweiz kann allerdings nicht von den billigen Cablecom-Tarifen profitieren: Insgesamt seien 1,4 Mio. Haushalte für die Telephonie über den TV-Anschluss erreichbar, sagte Fischer. Die Swisscom habe dagegen Zugang auf 3,2 Millionen Privathaushalte.

Die Telephonie übers TV-Kabel sei sehr stabil, sagte Luder. Es gebe nur wenige Ausfälle. Dagegen sei der Kundendienst trotz "klaren" Verbesserungen noch "nicht dort, wo wir sein wollen", sagte Fischer. Der Kundendienst bleibe ein zentrales Thema für dieses und das nächste Jahr. (APA)