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Vladimir Spidla

Foto: APA/ Petra Masova
Prag - Der tschechische Ministerpräsident Vladimir Spidla hat die Kritik aus Österreich zurückgewiesen, wonach Tschechien über den jüngsten Störfall im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin zu spät informiert habe. Die Informationen seien innerhalb jener Frist an die Öffentlichkeit, die in internationalen Abkommen festgelegt sei, erklärte Spidla nach Zeitungsberichten.

72 Stunden Informations-Frist

"In dem Melker Abkommen ist für Informationen über derartige Angelegenheiten eine Frist von 72 Stunden festgelegt. Wir haben nach 25 Stunden informiert", betonte Spidla. Er sei aber nicht dagegen, sofort zu informieren, nachdem das Problem ausgewertet sei. Wenn man es früher schaffe, sei es gut, so der Premier.

Kontrolle

Die Chefin der tschechischen Staatlichen Behörde für atomare Sicherheit (SUJB), Dana Drabova, betrachtet die von der EU-Kommission angekündigte Inspektion in Temelin als "überflüssig" und wies darauf hin, dass eine derartige Entscheidung innerhalb der EU noch nie gefällt worden sei. "So weit wir uns erinnern, hat die EU-Führung noch nie die Arbeit der Atomaufsicht-Behörde in einem EU-Mitgliedsland kontrolliert", meinte Drabova, die den Störfall in Temelin aus Sicht der atomaren Sicherheit als "kein außerordentliches Ereignis" betrachtet. Sonst habe sie kein Problem damit, jemandem an Ort und Stelle zu zeigen, dass die Einschätzung des Störfalls in Temelin durch die SUJB richtig gewesen sei.

Temelin wird strenger behandelt

Temelin steht nach Auffassung Drabovas unter einer viel strengeren Aufsicht als andere Atomkraftwerke. Beispielsweise sei in einem deutschen Atomkraftwerk vor einem Monat eine zehn Mal größere Menge radioaktiven Wassers direkt in den Rhein ausgetreten - ohne größeres Interesse der Öffentlichkeit, so die SUJB-Chefin.

Während der Revisionsarbeiten im Block 1 des baden-württembergischen Atomkraftwerks Philippsburg war am 25. April 2004 leicht kontaminiertes Wasser in die Kanalisation und von dort in den Altrhein gelangt. Ursache war laut einer damaligen Aussendung der Energie Baden-Württemberg AG, dass eine Steuerstabantriebspumpe auch während des Stillstands in Betrieb gehalten und nicht abgeschaltet wurde. Dadurch seien bis zu 30 Kubikmeter Wasser ausgetreten. Durch das Ausschalten der Pumpe konnte der Wasseraustritt unmittelbar gestoppt werden, hieß es in der EnBW-Aussendung. (APA)