Limoges - Einen Tag vor dem 60. Jahrestag des SS-Massakers im zentralfranzösischen Oradour-sur-Glane ist ein 33-jähriger Ex-Lehrer wegen Leugnung von Kriegsverbrechen zu sechs Monaten Haft und weiteren 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das Berufungsgericht Limoges verschärfte damit am Mittwoch die Strafe für Vincent Reynouard aus der ersten Instanz, die auf drei Monate Gefängnis sowie neun Monate auf Bewährung gelautet hatte.

Die SS-Einheit "Das Reich" hatte Oradour am 10. Juni 1944 umzingelt, die 647 Dorfbewohner zusammengetrieben und mit Maschinengewehrfeuer, Granaten und durch das vollständige Niederbrennen der Ortschaft fast alle von ihnen umgebracht.

Bestrittene Fakten

In dem Prozess ging es um ein von Reynouard angefertigtes Video mit dem Titel "Die Tragödie von Oradour-sur-Glane - 50 Jahre offizielle Lügen". Darin bestritt der Ex-Lehrer die Fakten, die durch die wenigen Überlebenden sowie einen Prozess gegen einstige SS-Leute 1953 belegt sind. Reynouard muss nun jeweils 1000 Euro Entschädigung an drei Nebenkläger zahlen: den inzwischen 80-jährigen Marcel Darthout, der das Massaker schwer verletzt überlebte, die Stiftung für Erinnerung und Deportation und die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (Licra).

Suspendiert

Der ehemalige Mathematiklehrer Reynouard war 1997 vom Schuldienst suspendiert worden, nachdem er auf Computern seiner Schule in Honfleur am Ärmelkanal Dokumente abgespeichert hatte, die den Holocaust leugneten. Er wurde bereits mehrfach wegen Leugnung von Nazi-Gräueln verurteilt.

In der strittigen Kassette behauptete er, das Massaker von Oradour sei verübt worden, weil die Bewohner in der Kirche Sprengstoff aufbewahrt hätten. Die Überlebenden bestreiten dies. Bestellzettel für das Video waren im Winter 2000/2001 an die beiden einzigen Überlebenden, den Bürgermeister von Oradour sowie an zahlreiche Dorfbewohner geschickt worden. (APA)