Peking - Volkswagen will mit der Konzerntochter Skoda den Verfall seiner Marktanteile in China ausbremsen. "Wir wollen unseren Anteil in dem umkämpften Markt halten, dazu müssen wir mehr Modelle des Konzerns nach China bringen", sagte der Vertriebschef der Volkswagen Group China, Walter Hanek, am Mittwoch in Peking. Von den Skoda-Modellen Fabia, Octavia und Superb solle mindestens eines eingeführt werden. China ist der zurzeit am schnellsten wachsende Automarkt der Welt. Vor der Messe AutoChina gingen die Einschätzungen aber auseinander. Während General Motors oder DaimlerChrysler weiter Milliarden in Modelle und Werke in China investieren, warnten andere vor Überkapazitäten.

Die Wolfsburger sind immer noch die Nummer eins in dem asiatischen Land. Mit der wachsenden Konkurrenz durch General Motors oder Ford sanken die Marktanteile zuletzt unter 30 Prozent. Hanek zeigte sich dennoch überzeugt, die Marke wieder erreichen zu können. Volkswagen will im laufenden Jahr mehr als 800.000 Autos in China verkaufen nach knapp 700.000 im Vorjahr. Bis 2008 soll sich die Zahl auf 1,6 Millionen verdoppeln. Bis dahin investiert der Autobauer rund 5,3 Mrd. Euro in den Ausbau der Produktionsstätten.

DaimlerChrysler kündigt Milliardeninvestitionen an

DaimlerChrysler kündigte an, mehr als eine Milliarde Euro in den kommenden Jahren in dem kommunistischen Land zu investieren. Der zuletzt im asiatischen Raum glücklose deutsch-amerikanische Autobauer folgt damit der aggressiven Strategie des größten US-Konkurrenten. General Motors steckt in den kommenden drei Jahren 3 Mrd. Dollar (2,44 Mrd. Euro) in die Verdoppelung der Kapazitäten. Ford plant eine zweite Fabrik im Osten des Landes. Mazda erwartet in diesem Jahr ein Verkaufsplus von 37 Prozent auf 110.000 Autos. Bis 2010 soll sich die Zahl verdreifachen. Mazdas Marketing- und Verkaufsvorstand Stephen Odell hatte den Pessimisten daher entgegengehalten, er sehe wenig Grund für die Befürchtungen, dass sich die Nachfrage verlangsamen könnte.

Langsam mehren sich jedoch die Zweifel, ob alle Autobauer von dem wachsenden Einkommen der Chinesen und damit der Nachfrage nach Pkw profitieren können. Durch den massiven Ansturm der Autobauer auf den chinesischen Markt drohten Überkapazitäten, warnte VW-Manager Hanek. Toyota könne zwar derzeit mit der Nachfrage nicht Schritt halten und will deshalb die Produktion in dem chinesischen Werk deutlich ausweiten und sogar eine zweite Fabrik bauen, sagte Toyota-Repräsentant Wang Fachang. Trotz positiver Aussichten betonte auch er die Gefahr massiver Kapazitätsüberhänge.

Citroen mit gebremstem Wachstum

Der französische Autobauer Citroen sagte für das laufende Jahr bereits ein gebremstes Wachstum voraus: Nach einem Plus von 24 Prozent im vergangenen Jahr werde der Verkauf in 2004 um 20 Prozent anziehen. Dies sei immer noch ein beachtliches Wachstum, sagte Citroen-Manager Claude Satinet. Experten schätzen, dass die Autoverkäufe zurückgehen, nachdem Chinas Regierung die Kreditvergabe eingeschränkt hat, um die überkochende Wirtschaft herunterzukühlen. Einer Studie von Merrill Lynch zufolge sollen die Autoabsätze in China bereits im Mai verglichen mit dem Vormonat um ein Fünftel eingebrochen sein.

Im vergangenen Jahr stiegen die Autoverkäufe in China um 80 Prozent auf 2,04 Millionen. Obwohl erwartet wird, dass sich die rasanten Zuwächse abschwächen, sehen Experten die Verkäufe schon im kommenden Jahr die Fünf-Millionen-Grenze überschreiten. Damit wäre China der weltweit zweitgrößte Automarkt.(APA)