Stockholm - Die Rüstungsausgaben sind im vergangenen Jahr im Gefolge der Kriege in Afghanistan und dem Irak weltweit um elf Prozent gestiegen. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) in seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahrbuch 2004 weiter angab, nahmen sie seit 2002 um zusammen 18 Prozent zu und beliefen sich 2003 auf 956 Milliarden Dollar (775 Milliarden Euro). Knapp die Hälfte davon entfallen allein auf die Vereinigten Staaten.

Als ausschlaggebend für die "markante Aufwärtsentwicklung" bezeichnete SIPRI die massive Aufrüstung in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die Ausgaben der hoch entwickelten Staaten für militärische Zwecke zusammen liegen derzeit zehnmal so hoch wie ihre Leistungen für die Entwicklungshilfe (2001) und höher als alle Auslandsschulden der armen Länder zusammen, heißt es in dem Jahrbuch.

Auch beim internationalen Waffenhandel ermittelte das schwedische Institut 2003 eine deutliche Umkehr des vorher überwiegend rückläufigen Trends. Russland und die USA waren dabei Hauptexporteure mit China und Indien als Hauptabnehmerländern für russische Waffen und Taiwan, Ägypten, Großbritannien, Griechenland, der Türkei und Japan als wichtigsten US-Kunden. Deutschland rangierte im letzten Jahr mit einem Anteil von sechs Prozent der weltweiten Rüstungsexporte an vierter Stelle hinter Russland, den USA und Frankreich.

Für die kommenden Jahre erwarten die Stockholmer Friedensforscher im Rüstungshandel eine weitere Stärkung der US-Position bei rückläufigen Marktanteilen für Russland. Auch sei damit zu rechnen, dass der anhaltende Anstieg bei den US-Staatsausgaben für militärische Zwecke die Verteidigungshaushalte weltweit "nach oben treiben" werde. Dies werde sich aber in einem langsameren Tempo vollziehen, weil es "langfristig zweifelhaft erscheint, ob die derzeitigen Raten wirtschaftlich und politisch tragbar sind".

Als alles beherrschendes sicherheitspolitisches Ereignis des letzten Jahres wird in dem Jahrbuch der von den USA begonnene Irak-Krieg eingestuft. Die britische SIPRI-Chefin Alyson Bayles meinte dazu: "Die erfolgreiche Besetzung einer Nation mit 23 Millionen Menschen zu niedrigen Kosten hat die einzigartige Stärke der USA gezeigt. Die Nachwirkungen zeigten eher ihre Grenzen und den begrenzten Sinn militärischer Macht generell auf."

Von den weltweit 19 im letzten Jahr geführten Kriegen wurden nur die Konflikte im Irak und in Kaschmir zwischen Staaten ausgetragen. Acht der ansonsten rein innerstaatlichen Kriege fanden in Asien und vier in Afrika statt. In Burundi, Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste), Indonesien, Liberia und auf den Philippinen habe sich das Potenzial für eine "plötzliche und massive Eskalation" dieser Konflikte gezeigt. Dasselbe gelte für Afghanistan mit erneut zunehmenden Aktivitäten von Taliban-Kämpfern im letzten Jahr. (APA/dpa)