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Der Chef der Engländer, Sven-Göran Eriksson, versucht das Temperament von Wayne Rooney (Bild) unter Kontrolle zu bringen.

Foto: REUTERS/Ian Hodgson
Lissabon - "Wunderknabe" Wayne Rooney lässt Fußball-England vom Titel träumen, aber der Chef der Nationalmannschaft ist auf den EURO-Debütanten nicht gut zu sprechen. Vor dem Duell mit Titelverteidiger Frankreich am Sonntag in Lissabon hängt im Trainingscamp der "Three Lions" der Haussegen schief. Teenager Rooney, mit 18 Jahren jüngster Feldspieler bei der Europameisterschaft, und Sven-Göran Eriksson sind sich in die Wolle geraten. Der Teammanager von Österreichs WM-Qualifikationsgegner will den Everton-Heißsporn an die Kette legen, doch Rooney stellt sich quer: "Mein Temperament gehört zu meinem Spiel."

Als jüngster Nationalspieler in der Geschichte des englischen Fußballs hatte Rooney beim 6:1 gegen Island am vergangenen Sonntag mit einem Doppel-Pack Öffentlichkeit und Mitspieler begeistert. Doch Eriksson verpasste dem Jubel schnell einen Dämpfer. Er müsse seine Gefühle und sein Temperament unter Kontrolle haben, warnte der 56-jährige Schwede den bulligen Stürmer, der sich im ersten Spiel des Sommerturniers in Manchester den Zorn seines Chefs zugezogen hatte. Beim 1:1 am 2. Juni gegen Japan revanchierte sich Rooney nach einem Foul von Shinji Ono mit einer Ohrfeige an dem Japaner.

Der Schiedsrichter beließ es bei einer Ermahnung. "Aber in einem Wettbewerbsspiel hätte Wayne mindestens Gelb gesehen", schimpfte Disziplinfanatiker Eriksson, der von weiteren Gefühlsausbrüchen seines Zöglings verschont bleiben will. Doch Rooney will seinen Stil nicht ändern. "Ein Zweikampf oder ein Tackling, das sind Herausforderungen, für die ich eine Gelbe Karte in Kauf nehme."

Lob von "Gazza"

Erikssons Sorge um sein Stürmer-Juwel ist nicht unbegründet, denn Rooneys Leidenschaft und Enthusiasmus für den Fußball wecken Erinnerungen an Paul Gascoigne. Der mittlerweile 35-jährige Superstar lieferte als "Enfant terrible" des englischen Fußballs mit seinen Alkoholeskapaden der Yellow Press jahrelang die Schlagzeilen. Gascoigne hat Rooneys steilen Aufstieg verfolgt und Parallelen zu seiner Karriere erkannt. "Er ist ein fantastischer Spieler, und er wird ein ganz großer Spieler", sagte Gascoigne, "aber nur, wenn er klaren Kopf behält und sich auf und neben dem Fußballplatz selbst diszipliniert."

"Gazza" führte England 1990 ins WM-Halbfinale. Dass man von Rooney heute ähnliche Glanztaten erwartet, stört den Sohn eines Amateurboxers und einer Küchenhelferin kaum. "Wenn du raus auf den Platz gehst und für dein Land spielst, ist das doch kein Druck", sagte der Straßenfußballer aus Liverpool, "andere 18-Jährige würden liebend gerne mit mir tauschen."

Der Vater, der ihn noch täglich zum Training chauffiert, und Evertons Teamchef David Moyes passen auf den "jungen Wilden" auf, der im Alter von 17 Jahren und 111 Tagen im Februar 2003 gegen Australien sein Debüt als Nationalspieler gab. Angst hat Everton-Boss Moyes nur, dass Rooney in Portugal seinen Marktwert womöglich so hoch treibt, dass der Klub vom Goodison Park ihn nicht mehr bezahlen kann. Experten schätzen, dass Rooney nach einer erfolgreichen EURO nicht unter umgerechnet 35 Millionen Euro zu haben sein wird. (APA/dpa)