Preßburg - "Die Kampagne zur Wahl für das Europäische Parlament ist thematisch oberflächlich, ohne sinnvolle Diskussion und es fehlt die Konfrontation, die die Differenzen zwischen den kandidierenden Parteien zum Vorschein bringen würde. So resümierte die slowakische Agentur "Memo 98" ihre Analyse der Präsentation der politischen Parteien der Slowakei in den elektronischen Medien.

Memo 98 kritisierte zudem das öffentlich-rechtliche Slowakische Fernsehen (STV), das während der Wahlkampagne von privaten Medien in den Schatten gestellt worden sei. "Wie kann man die Tatsache anders werten, dass die Diskussionen unter den Parteien von privaten Medien und nicht vom STV organisiert werden."

Kritisch äußerte sich in der Tageszeitung "Sme" (Donnerstag-Ausgabe) auch der Medienexperte Andrej Skolkay zur Kampagne: "Die Mattheit geht auf das Konto der Kandidaten selbst, aber auch die Medien sind nicht ohne Schuld. Die größte Enttäuschung ist das öffentlich-rechtliche Slowakische Fernsehen."

Um die 14 Mandate im Europaparlament bewerben sich 17 Parteien. Fast die Hälfte war nicht einmal fähig, eine kurze Präsentation für das Fernsehen oder den Rundfunk vorzubereiten. Die größeren Parteien haben nicht zu viel Energie in die Wahlkampagne investiert, sie beschränkten sich meistens auf die Aufstellung von Großplakaten. Reale Chancen, sich in der Wahl durchzusetzen, haben nur die im Parlament vertretenen Parteien Größere Chancen haben die oppositionellen Parteien Smer (Richtung) und die Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS). Sie könnten drei bis vier Mandate erobern. Gute Chancen werden auch der Ungarischen Koalition (SMK) eingeräumt, sie könnten zwei bis drei Mandate gewinnen. Aussichten auf Mandate haben auch die drei anderen Regierungsparteien, die Slowakische Demokratische und Christliche Koalition (SDKU), die Christdemokratische Bewegung (KDH) und die Allianz des neuen Bürgers (ANO).

Die Wahlkampagne bestätigte die den slowakischen politischen Parteien von Beobachtern attestierte Hauptschwäche: Mangel an Mobilisierungspotenzial. Alle Meinungsumfragen ergeben, dass sich die Beteiligung unter 30 Prozent bewegen wird. (APA)