Von den 37 Frauen war keine gekommen. Trotzdem beteuert Andreas Rainer, dass jede Episode authentisch sei: der Jungarchitekt, der als "Xobarap No 6" im Sommer 2003 als Bannerträger der – zum Glück – verebbten "Flashmob"-Szene auftrat, hat im Eigenverlag (www.xobarap.net) ein Buch herausgebracht. "Ich will mit dir schlafen" heißt es, und Rainer beschreibt darin - angeblich wahre - amouröse Abenteuer, die aus einer – nachweislich, dafür gibt es Zeuginnen – 2001 gestarteten Flugblattaktion resultierten.

Rainer hat damals 1500 Mädchen und Frauen ohne Vorwarnung "Ich will mit dir schlafen"-Flyer überreicht – und schwört, keine einzige Ohrfeige, aber umso mehr entzückte Blicke und eben 37 Zusagen erhalten zu haben: "Das war wirklich so." Freilich spielt Wahrheit bei Betthupferlgeschichten eh keine Rolle: Männer übertreiben meist maßlos, Frauen stapeln eher tief.

Und was die literarischen und erotisch-pornographischen Qualitäten des Oeuvres angeht, teilt Rainer das Lager mit Cathrin Millet ihrer sexuellen Autobiographie aus 2001: Schon nach wenigen Kapiteln langweilt die Redundanz des scheinbaren Aufregers. Xobaraps Pech: Im Gegensatz zur Chefredakteurin der Pariser Art Press hat er halt nicht die nationale Feuilleton- und Kunstlobby hinter sich, die so lange "Huch! Sensation! Skandal!" kreischt, bis das Buch ein Bestseller ist. Und dann fragt ohnehin keiner mehr.

(DER STANDARD Printausgabe 11. 6. 2004)