Kopenhagen - Ein Ex-Dolmetscher des dänischen Militärs verlangt vom Staat Schadenersatz, weil er 2002 Zeuge von Folter und Mord in einem US-Gefangenenlager in Afghanistan gewesen sei. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kopenhagen am Donnerstag im Rundfunk. Der Kläger habe nach eigenen Angaben "anhaltende psychische Schäden" davongetragen. Der Sprecher kündigte eingehende Untersuchungen an.

Dänemark nehme den Vorwurf sehr ernst, dass die USA als Alliierter in Afghanistan durch Folter und Mord an Gefangenen die Genfer Konvention verletzt habe, hieß es weiter. "Wir können nicht damit leben, wenn diese Vorwürfe sich als zutreffend erweisen. Wir können aber auch nicht damit leben, dass sie vielleicht falsch sind", sagte der Sprecher weiter. Das Ministerium will Verhöre mit Angehörigen der in Afghanistan 2002 stationierten Eliteeinheiten durchführen.

Außenminister Per Stig Möller kritisierte ebenfalls am Donnerstag erstmals Misshandlungen eines inzwischen freigelassenen dänischen Gefangenen im US-Lager Guantanamo auf Kuba. Der Mann hatte berichtet, dass er von Wächtern geschlagen und auf verschiedene Weise gedemütigt worden sei. (APA/dpa)