Wien - Die Produktionserwartungen der österreichischen Sachgütererzeugung stabilisieren sich und bestätigen mit leichtem Optimismus die Konjunkturerholung, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung des Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO).

Wenig dynamisch präsentierte sich zuletzt die Bauwirtschaft, doch deutet die Einschätzung der Auftragsbestände für die nächsten Monate einen lebhafteren Geschäftsgang an.

Der Einzelhandel wird noch durch das geringe Verbrauchervertrauen gedämpft, am Ende des I. Quartals zeigte sich aber auch hier eine verhaltene Wachstumsbeschleunigung.

Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich

Im Mai verflachte erstmals der Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der jugendlichen und älteren Arbeitslosen sank sogar. Weil die Beschäftigung ausgeweitet wurde, blieb die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr konstant. Die Inflationsrate (HVPI) verharrte im April noch auf 1,5%, im Mai dürfte die Verteuerung von Energie auf den Gesamtindex durchschlagen.

Der WIFO-EU-Konjunkturtest zeigt im Mai wieder eine etwas optimistischere Einschätzung der Produktionsaussichten durch die österreichischen Unternehmen. Seit November 2003 war dieser Indikator rückläufig; der April-Wert deutete bereits ein Ende der Abwärtsentwicklung an, und die Umfrageergebnisse vom Mai bestätigen die Aufhellung der Stimmung in der Sachgüterproduktion.

Mit +7 Prozentpunkten entsprach der Überhang der Unternehmen, die eine Steigerung ihrer Produktion erwarten, etwa dem Vormonatswert (+8 Prozentpunkte).

Verschlechterung der Auftragsbestände

Eine knappe Mehrheit der Unternehmen beobachtete im WIFO-EU-Konjunkturtest nach wie vor eine Verschlechterung der Auftragsbestände. Der Überhang der Unternehmen mit schrumpfendem Auftragsbestand verkleinert sich aber mit geringfügigen Rückschlägen seit Anfang 2002 und lag im Mai nur mehr knapp unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Überwiegend erwarten die Unternehmen in den nächsten sechs Monaten eine bessere Geschäftslage, der Überhang der optimistischen Meldungen verkleinerte sich im Mai jedoch auf nur mehr 1 Prozentpunkt. Der Vertrauensindikator der Industrie weist in Österreich im Gleichklang mit Deutschland und der EU nach einer kurzen Unterbrechung wieder aufwärts.

Die schwache Nachfrage österreichischer Unternehmen nach Krediten geht auf einen geringen zusätzlichen Fremdmittelbedarf für Erweiterungsinvestitionen zurück, zusätzliche Mittel werden für Fusionen und Unternehmensübernahmen eingesetzt. Erstmals seit mehr als einem Jahr blieben die Kreditrichtlinien stabil, trotzdem wurde die Fremdmittelaufnahme im I. Quartal 2004 kaum gesteigert.

Exporte nehmen zu

Die Hinweise auf eine leichte Beschleunigung des Aufschwungs im Außenhandel mehren sich. Die Warenexporte nahmen im Februar laut Außenhandelsstatistik gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 6,6 Prozent zu. Dieser Zuwachs streute breit über den Intra- (+6,3 Prozent) und den Extra-EU-15-Handel (+7,0 Prozent).

Besonders kräftig stiegen die Lieferungen in die Industriestaaten in Übersee und in die nicht erdölexportierenden Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Gütergruppe Maschinen und Fahrzeuge wies dabei die größte Dynamik auf.

Die Bauproduktion stagnierte im Februar (-0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr); der Rückgang im Hochbau wurde durch den lebhaften Aufschwung im Tiefbau nicht ausgeglichen. Da sich die Einschätzung der Auftragsbestände im WIFO-EU-Konjunkturtest verbessert hat, dürfte dies eine vorübergehende Phase der Stagnation auf hohem Niveau sein.

Verbrauchervertrauen stagniert

Der Indikator für das Verbrauchervertrauen stagniert seit dem Herbst 2003. Der Handel verzeichnete vor dem Hintergrund der geringen Kaufbereitschaft der Konsumenten im I. Quartal 2004 sowohl nominell als auch real einen Rückgang der Nettoumsätze.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit verringerte sich im Mai deutlich auf nur noch 500 im Vorjahresvergleich. Damit waren insgesamt 215.500 Personen von Arbeitslosigkeit betroffen. Rückläufig war die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen und Älteren. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit konzentrierte sich im Mai auf Dienstleistungsberufe und betraf deshalb überwiegend Frauen; die Zahl der arbeitslosen Frauen erhöhte sich.

Während die aktive Beschäftigung um 0,4 Prozent zunahm, stieg die unselbständige Beschäftigung laut offizieller Statistik um nur knapp 0,2%. Deshalb blieb die Arbeitslosenquote laut nationaler Berechnung (in Prozent des Angebotes an Unselbständigen laut offizieller Statistik) im Mai gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 6,3%.

... und immer wieder der Ölpreis

Mit einer Verteuerung gegenüber dem Mai des Vorjahres um 38,7% erreichte der Rohölpreis (HWWA-Index auf Euro-Basis) wieder die Höchstwerte aus der Zeit des Kuwait-Krieges. Die hohe Rohstoffnachfrage schlug sich in zweistelligen Zuwachsraten der Preise anderer Industrierohstoffe sowie der Nahrungs- und Genussmittel nieder.

Diese Preissteigerungen sind im harmonisierten Verbraucherpreisindex vom April noch kaum spürbar (+1,5%), dennoch wird der dadurch entstandene Kostendruck weitere Zinssenkungsschritte der Europäischen Zentralbank in der näheren Zukunft unterbinden. (APA)