Bergen/Los Angeles - Im mindestens so beschaulichen wie norwegischen Hafenstädtchen Bergen beginnt heute die Golden-League-Serie der Leichtathleten, der Sieger, die Siegerin kassieren eine Million Dollar. Weitere Stationen sind Rom (2. Juli), Paris (23. Juli), Zürich (6. August), Brüssel (3. September) und Berlin (12. September). Das US-Sprint-Paar Marion Jones und Tim Montgomery fehlt, was zumindest offiziell nichts mit einem Bann durch die sechs Meeting-Chefs zu tun hat. "Es gibt keinen Boykott und auch keine gemeinsame Linie", versicherte Svein Arne Hansen, Meetingdirektor in Bergen. Die dreifache Olympiasiegerin Jones und 100-m-Weltrekordler Montgomery sind in den Dopingskandal um das Labor Balco in Kalifornien verstrickt.

Dass er unter Verdacht steht, hat Montgomery seit drei Tagen von der nationalen Anti-Doping-Agentur (Usada) schriftlich. Diesen Brief teilt er quasi mit den Kollegen Alvin Harrison, Chryste Gaines und Michelle Collins. Die Anschuldigungen basieren nicht auf positiven Tests, sondern auf Dokumentationen aus dem Laborarchiv, die die Einnahme von verbotenen Präparaten belegen. Dem Quartett droht der Ausschluss von den Olympischen Sommerspielen in Athen. Jones wurde zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert, sie hat also eine Galgenfrist bekommen.

Österreichs Beitrag in Bergen ist Günther Weidlinger über 5000 m. Aus dem Millionen-Jackpot dürfen sich nur jene Athleten bedienen, die ihre Spezialdisziplinen bei allen sechs Meetings gewinnen und Mitte September beim World Athletics Final in Monte Carlo antreten. Im Vorjahr gab es ein Novum: Nur 800-m-Olympiasiegerin Maria Mutola aus Mosambik knackte den Jackpot, damit gehörte ihr die vergoldete Dollar-Million allein. Heuer gilt 400-m-Hürden-Superstar Felix Sanchez aus der Dominikanischen Republik als erster Anwärter.

Kenenisa Bekele, der binnen neun Tagen Weltrekorde über 5000 (12:37,95) und 10.000 Meter (26:20,31) aufgestellt hat, kann sich die Serie sparen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. Juni 2004, red)