Wien - Dass diese neunte Veranstaltung im Rahmen des Programms Globalisierung und Gewalt. Perspektiven nach dem 11. September aus der Reihe tanzen würde, zeichnete sich bereits zu Beginn ab: Die Fragen von S TANDARD -Kulturressortleiter Claus Philipp, mit denen er üblicherweise unabhängig intervenierte, wurden von den Künstlern gleich vorweg in ihre szenische Lesung integriert.

Ein konsequenter Schachzug, sollte diesmal doch die Rezeption des Terrors durch die Medien auf dem Prüfstein stehen. Inspiriert von der noch relativ ernsthaften These, dass der Terrorismus möglicherweise schon längst zum Unterhaltungsterrain für die ganze Familie geworden ist, entfalteten die beiden mithilfe eines Overheadprojektors ihre Entwürfe für den Terror im Vergnügungspark:

"Ohne Terror kein Vergnügen. Niemandem soll verwehrt sein, sich daselbst mit Bombomaten, Bombyphonen und anderen unerlaubten Unterhaltungen eigenen Gefallens zu divertieren."

So viel zur grundsätzlichen Maxime der beiden Künstler, die sie dann zumindest die eineinhalb Stunden lang standhaft durchhielten, um mit verwegenen Attraktionen wie dem "Bombenkarussell - Piloten ist nichts verboten" den Unterhaltungswert ihres ultimativen Vergnügungsparks hartnäckig unter Beweis zu stellen. Bis ins Detail skizzierten sie die unzähligen Darbietungen, die das "risikolose Terrorerlebnis" ausmachen würden.

Neben billigeren Vergnügungen wie dem "Watschentwin", der "Berg- und Taliban" oder dem "Bombomat" setzten sie dabei mit dem "Schläferstündchen am Ground Zero", dem "Attendate mit Atta" oder dem "Galgenringelspiel Guantánamo" durchaus auch auf gute Unterhaltung. Regeneration und Entamerikanisierung ist das Ziel des "Schläferstündchens". Ein "Schwarzafrikaner" führt die Leine beim Galgenringelspiel, das mit dem Gefühl des Erwürgtwerdens spielt, und der "Rumpfterrorist Muhammad" sorgt im "Terrorium" (Ausschnitte waren am 9./10. im STANDARD zu lesen) für Furore. Hinter dem "Attendate mit Atta" verbirgt sich ein ausgeklügeltes Geiselcasting: Eingeteilt in vier Typen, werden diejenigen mit dem "Stockholmsyndrom", die sich in den Geiselnehmer verlieben, von Atta zum Kennenlernen nach Bombay geschickt.

Gesteigert wurde der Unterhaltungswert der Vorführung mit interaktiven Darbietungen: So konnte das Publikum z. B. beim "Bombenkaraoke" zum bombastischen Show-down des Films Fight Club den Soundtrack intonieren.


"Sexbombe Elfriede"

In ihrer drastisch überspitzten Abrechnung mit der Erlebnisgesellschaft und Spektakelkultur blieb letztlich wenig übrig, das keinen Platz in ihrem Vergnügungspark finden könnte. Auf dem Spiel stand alles und jeder: "Sexbombe Elfriede", Schlingensief und "Bombiland", der Ko-organisator der Reihe und "Theorist Baratta", Marx, das "terroristische Manifest" und "Cheese and Cry Superstar".

Worin die Verbindung zum Thema "Globalisierung und Gewalt" liegen könnte, vermochten die beiden Herren freilich nicht zu erklären. Dafür feierte mit ihnen die Hanswurstiade wieder fröhliche Urständ im Volkstheater. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2004)