Und wieder eine Meinetwegen-Entschuldigung Jörg Haiders, deren Unverschämtheit mit einer Prise jenes lauwarmen Burschenschafterhumors gewürzt ist, mit dem schon Kriemhild Trattnig selig in einer Art Wirtshauskabarett aus der FPÖ vertrieben wurde: Wenn sich in den letzten Wochen jemand durch seine scharfen Worte beleidigt gefühlt habe, so stehe er nicht an - nein, er sagte nicht: sich zu entschuldigen. Sondern, dies zu bedauern. Das war aber bloß der letzte Teil der feinen Pointe.

Der erste - vom blauen Humor-Thermometer als viel heißer ausgewiesene - bediente gleich zwei Kunden der Gagschreiber Haiders. Wolfgang Schüssels windelweichen Rüffel, er erwarte "ein Wort" des Bärentalers zum Vorwurf des Landesverrates, nahm Haider nicht einmal wahr. Und schon gar nicht ernst, wie seine Antwort an einen bewies, der darum gar nicht gebeten hatte: Den Appell von Bundespräsident Thomas Klestil, die Politiker mögen sich doch um verbale Mäßigung bemühen, nahm Haider förmlich juchzend auf, um an die steinerne Miene Klestils bei der ersten schwarz-blauen Angelobung zu erinnern. Die Konsequenz, das Mienenspiel Klestils als Landesverrat zu deuten und ihm nachträglich - sozusagen als Abschiedsgeschenk - das Wahlrecht zu entziehen, hatte Haider dann aber doch nicht mehr. Egal, seine Klientel wird ihn auch so verstehen und sich prustend auf die Schenkel hauen.

Damit wäre allen gedient. Bundeskanzler Schüssel hat das klärende Wort bekommen, das er sich vom Architekten seiner ersten Regierung submissest erbeten hat. Der hat bei dieser Gelegenheit daran erinnert, wer wem in diesem seltsamen Verhältnis zu Dank verpflichtet ist und wer sich, um die darin gepflegte Diktion zu verwenden, schleichen kann. Sollte sich nach dieser allgemeinen Klärung irgendwer beleidigt fühlen, muss niemand anstehen, das zu bedauern. Irgendjemandenwegens. (DER STANDARD, Printausgabe 11.6.2004)