Klaus Tolliner (37) ist seit zwei Jahren verantwortlicher Einkaufs- und Logistikmanager bei der international tätigen Sandvik BPI Bohrtechnik in der Steiermark. Eine logische Karriere für einen hoch qualifizierten Absolventen der Montanuniversität, würde man meinen, wären da nicht die Prothesen, die er nach einem schweren Unfall benötigt.

Ihm fehlen beide Unterschenkel und der linke Arm. Behindern hat er sich davon bei seiner Berufswahl und Jobsuche nie lassen. Im Gegenteil. Stolz darauf, das Studium der Werkstoffwissenschaften trotz allem mit großem Drive durchgezogen zu haben, wies er auf die Behinderung zuerst auch in seinen Bewerbungen hin - worauf der fertige Diplomingenieur nie mehr etwas von den angeschriebenen Firmen hörte.

Unwissenheit über Förderungen

Als er die entsprechende Passage strich, wurde er zu Vorstellungsgesprächen geladen. Seine Erfahrungen: "Viele, vor allem kleinere Firmen, kennen sich bei den Behinderteneinstellungsgesetzen nicht aus und lassen deshalb lieber gleich die Finger davon."

Ein Umstand, den er nicht hinnehmen wollte. Er machte sich über alle Fördermöglichkeiten schlau und informierte von sich aus über mögliche Integrationsbeihilfen (bis zur Hälfte des Bruttogehalts) und den Wegfall von Dienstgeberanteilen.

Das Bundessozialamt und das Arbeitsmarktservice unterstützten ihn mit weiterführenden Kursen. Bei Sandvik sind alle zufrieden. "Seine hohe Ar- beitsmotivation bringt Drive und Schwung in die Abteilung", streicht die Geschäftsführung hervor. (DER STANDARD Printausgabe, 11.06.2004 bach)