Bild nicht mehr verfügbar.

In den Jahren 2000 bis 2002 geriet die amerikanische Hungerhilfe US Food Aid in afrikanischen und lateinamerikanischen Empfängerländern in Verruf: Die Mais-, Weizen-und Sojalieferungen - die auch an Schwellenländer wie Mexiko verschickt wurden - stammten teilweise aus GV-veränderten Anbauten.

Foto: REUTERS/Lenita Sulthani
In Indonesien und anderen armen Ländern versuchen Agrarfirmen derzeit massiv, Bauern ihre GV-Saaten schmackhaft zu machen: für Kritiker Schritte in die verkehrte Richtung.

***

Wien/Stuttgart - Der Anbau von GV-Baumwolle werde dreimal höhere Erträge als konventionelle Aussaaten bringen, nach vier Jahren hätten die Landwirte genug Geld zusammen, um alljährlich nach Mekka zu pilgern: An Versprechungen an die Baumwollbauern der indonesischen Insel Sulawesi mangelte es vom Gentech-Saatanbieter - einer Tochterfirma des Agrarriesen Monsanto - nicht.

Auf Sulawesi GV-Baumwolle bereits auf 4000 Hektar angebaut

"Im Jahr 2001 wurde die GV-Baumwolle auf Sulawesi bereits auf 4000 Hektar angebaut", schildert Peter Rottach, Referent für Landwirtschaft bei der deutschen Aktion kirchlicher Entwicklungszusammenarbeit, "Brot für die Welt". Doch die "Wundersaat" habe sich als Flop herausgestellt: Niedrigere statt - wie angepriesen - höhere Erträge, 500 Hektar, auf denen gar nichts wuchs, weil die GV-Baumwolle unter australischen Bedingungen entwickelt worden war und die tropische Hitze nicht aushielt.

Anbieterfirma ist Pleite gegangen

Die Reaktion folgte auf dem Fuße: "Die Bauern", so Rottach, "haben die GV-Baumwolle auf ihren Feldern angezündet." 2003 sei die Anbieterfirma Pleite gegangen - "aber das indonesische Beispiel ist nur eines von vielen, wie derzeit versucht wird, in Entwicklungsländern Gentechnik in der Landwirtschaft hoffähig zu machen".

Hungerhilfe aus GV-veränderten Anbauten<>

Und zwar zum Teil mit ethisch fragwürdigen Mitteln: In den Jahren 2000 bis 2002 geriet die amerikanische Hungerhilfe US Food Aid in afrikanischen und lateinamerikanischen Empfängerländern in Verruf: Die Mais-, Weizen-und Sojalieferungen - die auch an Schwellenländer wie Mexiko verschickt wurden - stammten teilweise aus GV-veränderten Anbauten.

Fakten schaffen

Die international agierende Umweltlobby Friends of The Earth wertet dies als von der US-Regierung gestützten Versuch der Gentechniklobbys, Fakten zu schaffen: Der ungemahlene Mais aus der US-Hungerhilfe etwa werde in den Empfängerländern nicht nur gegessen, sondern auch als Aussaat benutzt, wodurch die GV-Eigenschaften in den Naturkreislauf gerieten.

In dem Experten Rottach nähren solche auch vom World Food Programme und der EU kritisierten Praktiken (siehe Artikel unten) Zweifel an der Gentechnik als Mittel gegen den Hunger in der Welt. Für die Bedürftigen, zu 70 Prozent verarmte Landbewohner, seien GV-Saaten viel zu teuer. Und sollten sie wohlhabenderen Bauern in den armen Ländern tatsächlich höhere Erträge ermöglichen: "Schon die Ertragssteigerungen aus der ,Grünen Revolution' in Mexiko und Indien in den 60er-Jahren gingen vor allem in den Export. Indien produziert heute Weizen für den Weltmarkt, und im Land selbst sind weiterhin 20 Prozent der Einwohner hungergefährdet." (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 11.6.2004)