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Polizei kontrolliert die Straßen von Kinshasa

Foto: AP/Bompengo
Kinshasa - Mitglieder der Leibgarde des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila sind scheinbar in der Nacht auf Freitag mit einem Putschversuch gescheitert. Kabila sei informiert, die Regierung habe "die Lage im Griff", sagte Informationsminister Vital Kamerhe im privaten Radiosender Top. "Es ist nicht klar, ob die Regierung die Situation wirklich unter Kontrolle hat", bemerkte hingegen ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Auf den Straßen der Hauptstadt waren Panzer und bewaffnete Zivilisten zu sehen. Nach der Militärrevolte kam es in Kinshasa zu Kämpfen.

"Geistesgestörter Militär"

Der Putschführer, Major Eric Lengue, habe nach Mitternacht zunächst vorübergehend den staatlichen Radiosender in Kinshasa besetzt, sagte Kamerhe. Gegen 5.00 Uhr (MESZ) habe ein "geistesgestörter Militär" die Übergangsregierung für abgesetzt erklärt. Der zwischen 30 und 40 Jahre alte Lengue wurde offenbar von etwa 20 Anhängern bei der Aktion unterstützt. Anrainer berichteten, in der Früh habe es im Militärstützpunkt Camp Tshatshi sechs schwere Detonationen gegeben. Die Aufrührer seien dort eingekreist.

Die Putschisten hätten in der Nacht auch die Kontrolle über die staatliche Elektrizitätsgesellschaft SNEL übernommen, sagte der Informationsminister. Sie hätten einen rund dreistündigen Stromausfall verursacht. Acht der Aufständischen seien festgenommen worden, zwölf weitere seien auf der Flucht, sagte der Minister. Danach waren jedoch im Stadtzentrum immer wieder Salven aus Maschinengewehren zu hören. Zu Schießereien kam es auch in der Umgebung der Privatresidenz von Präsident Kabila, berichteten Augenzeugen.

Kabilas Sprecher Kudura Kasongo sagte, dem Präsidenten gehe es gut. Es liege "keine Bedrohung" vor. "Das war nur jemand, der sich ein bisschen aufspielen wollte und in die Radiostation eingedrungen ist." Kabilas Amtsvorgänger, sein Vater Laurent, war 2001 von einem seiner Leibwächter getötet worden.

Die Revolte war bereits die zweite gegen die Regierung Kabila, die vor einem Jahr mit Beteiligung der Opposition und Rebellen des Bürgerkriegs gebildet wurde. Die Demokratische Republik Kongo befindet sich derzeit in einer fragilen Phase des Friedensprozesses, der im Jahr 2003 einen fünfjährigen Bürgerkrieg beendet hatte. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen: Vor einer Woche eroberten Aufständische die Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu, Bukavu. Erst am Mittwoch übernahm die Regierungsarmee in der Stadt wieder die Kontrolle. (APA/dpa/AP)