Nicht weniger als 31 Listen bewerben sich um die 24 tschechischen Sitze im EU-Parlament. Der Grund für den großen Andrang liegt in der niedrigeren Hürde für die Rückerstattung der Wahlkampfkosten (mindestens ein Prozent der Stimmen, statt drei bei nationalen Wahlen). Zu europäischen Fragen nahmen fast ausnahmslos nur die Parlamentsparteien Stellung. Die oppositionelle rechte Demokratische Bürgerpartei (ODS), die seit Monaten mit 27 bis 35 Prozent alle Umfragen anführt, fordert Gleichbehandlung der neuen EU-Mitglieder und lehnt eine Schwächung der Position Tschechiens auf der Basis der künftigen Verfassung ab. KP auf Platz zwei Die Sozialdemokraten (CSSD) von Premier Vladimir Spidla sehen sich im Einklang mit den Zielen ihrer europäischen Schwesterparteien und unterstützen die rasche Verabschiedung einer Unionsverfassung und die Stärkung der sozialen Komponente in der EU. Die CSSD kämpft mit den EU-feindlichen Kommunisten um Platz zwei. Jüngste Umfragen sehen sie allerdings mit zehn bis 14 Prozent erst auf dem dritten Platz. Prominentestes Opfer einer geringen Wahlbeteiligung könnte die kleinste Regierungspartei, die liberale Freiheitsunion (US), werden. Die Liberalen, für die auch der einstige Kanzleichef des damaligen Präsidenten Václav Havel, Karl Schwarzenberg, kandidiert, liegen klar unter fünf Prozent. Ihr Scheitern könnte Spidla endgültig um seine Parlamentsmehrheit bringen. Da Vizepremier und Liberalenchef Petr Mares bereits seinen Rücktritt angekündigt hat, falls es die US nicht schaffen sollte, könnte das zu deren Austritt aus der Regierung führen. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2004)