Politiker, professionelle Beobachter und wohl auch eine Mehrheit der slowenischen Stimmbürger sehen im Urnengang am 13. Juni in erster Linie einen Probelauf für die nationalen Parlamentswahlen im Oktober. Dass europäische Themen im Wahlkampf praktisch keine Rolle spielten, hat mehrere Gründe. Zum einen unterscheiden sich die wichtigsten Parteien in ihrer grundsätzlich positiven Haltung zur EU kaum voneinander. Zum anderen ist das Wissen um Funktion und Kompetenzen des Europaparlaments sehr gering. "Viele Leute verstehen den Unterschied zwischen Parlament und EU-Kommission nicht", stellt etwa der Laibacher Universitätsprofessor und politische Kolumnist Miha Kovac fest.Kräfteverhältnis Dennoch hat die Wahl, bei der eine Beteiligung von rund 40 Prozent erwartet wird, eine spezifisch europäische Komponente: in der Person von Lojze Peterle, dem Spitzenkandidaten der konservativen Partei Neues Slowenien. Peterle, der erste Regierungschef nach der Loslösung des Landes von Jugoslawien, war Sloweniens Vertreter im EU-Verfassungskonvent und hat sich mit seinem starken europapolitischen Engagement im Bewusstsein seiner Landsleute als eine Art slowenischer "Mister Europa" etabliert. In Umfragen hat er deutlich höhere Sympathiewerte als seine Partei. Am Kräfteverhältnis zwischen Mitte-links und Mitte-rechts dürfte dies wenig ändern. Die regierenden Liberaldemokraten, die ihre Liste mit Tennisstar Mima Jausovec aufpolierten, können mit zwei bis drei der insgesamt sieben EU-Mandate rechnen, die oppositionellen Slowenischen Demokraten von Kriegsheld Janez Jansa mit zwei. Der Rest wird sich auf diverse Links- und Rechtsparteien verteilen, darunter jene Peterles. (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2004)